Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Feuchte Fenster? Warum?

Beim Einbau neuer Fenster kann vieles schiefgehen – Einfallstor für Schimmelpilze


Im Zusammenhang mit dem Streben nach dem Einsparen von Energie und der Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes wurden die wärmetechnischen Eigenschaften der Gebäudehüllen stetig verbessert. Die Verbesserungen an sich bedeuten allerdings in der Regel, daß bestehende Gebäude, die irgendwann einmal unter bauphysikalischen Aspekten errichtet wurden, den heutigen gesetzlich und normativen Bedingen angepaßt werden. Die bauphysikalischen Grundlagen sowie die Arten, wie Kondenswasser am Fenster entstehen kann, soll an dieser Stelle einmal näher betrachtet werden.

Bauanschlußfuge

Die Übergänge zwischen unterschiedlichen Bauteilen bilden nicht selten Problemzonen. Diese Übergangszonen müssen daher einer genaueren Betrachtung unterzogen werden, sollen zu einem späteren Zeitpunkt nicht unliebsame Überraschungen auftreten. Es ist immer davon auszugehen, daß der Bauanschluß und somit auch die Bauanschlußfugen zwischen Fenster / Außentür und Baukörper hohen Ansprüchen genügen müssen.

Zum näheren Verständnis ist es empfehlenswert, daß die Anforderungen eine Systematisierung bzw. eine Zusammenfassung in verschiedene Funktionsebenen erfahren, einfach um deren Verlauf vom Baukörper auf die Fensterkonstruktion beurteilen zu können. Genaugenommen existieren drei zu beachtende Ebenen:

1. Ebene der Trennung zwischen Rauminnen- und Außenklima (d. h. innere Dichtungsebene);

2. Bereich der eigentlichen Fensterkonstruktion, die beispielsweise den Wärme- und Schallschutz sowie die Statik erfüllt (Funktionsebene / -zone);

3. Ebene des Wetterschutzes (d. h. äußere Dichtungsebene).

Innere Dichtungsebene – Die erforderliche Trennung der Klimabereiche muß auf der Warmseite erfolgen, also auf der Innenseite. Seitens der Planer ist darauf zu achten, daß besonders die Verläufe der 10OC-Isotherme (Tauwasserisotherme) und der 13 OC-Isotherme (Schimmelpilzisotherme) richtig ermittelt werden (Isothermen sind Punkte auf einer Linie mit gleicher Temperatur.)

Es gilt der Grundsatz, daß die innere Abdichtung (also die auf der Warmseite) diffusionsdichter als die äußere (die auf der Kaltseite) sein muß. Bei einem angenommenen Innenklima kondensiert bei 10°C die Luftfeuchtigkeit. Sobald diese 10°C-Isotherme raumseitig des Fensters liegt, kann es passieren, daß sich Tauwasser auf der Oberfläche absetzt und dort Schimmelbildung begünstigt.

Fazit: Es gilt beim Fenstereinbau immer darauf zu achten, daß der Bauanschluß innen immer dichter als außen ausgebildet wird.

Funktionsebene/Funktionszone: Diese Ebene besteht n der Regel aus dem Fenster selbst, daß neben der Statik seine eigentlichen Anforderungen zu erfüllen hat. Hier erfolgt, bis auf einige Ausnahmen, die mechanische Befestigung.

Äußere Dichtungsebene: Die äußere Dichtungsebene bildet gleichzeitig die Wetterschutzebene und hat die Aufgabe, als Regen- und Windsperre zu fungieren. Die Wetterschutzebene muß mit wenigen Ausnahmen spezieller Konstruktionen nicht dampfdicht sein. Aber sie muß dauerhaft schlagregendicht, winddicht und vor allem dampfdiffusionsoffen sein.

Die Aufgabe als Regensperre: Es gilt unkontrolliertes Eindringen von Niederschlagswasser in die Konstruktion zu verhindern (Schlagregendichtheit). Das anfallende Regenwasser soll und muß nach außen abfließen. Die Regensperre sollte möglichst weit außen liegen.

Die Aufgabe als Windsperre: Es gilt zu verhindern, daß Niederschlagswasser durch Winddruck nach innen gelangen kann. Weiterhin soll verhindert werden, daß Wind (auch bei hohen Windstärken) in Form von Zugluft ins Gebäude eindringen kann (Winddichtigkeit).

Energiebilanz und Energieverbrauch

Fensterkonstruktionen können die Energiebilanz eines Gebäudes und somit den Energieverbrauch erheblich beeinflussen. Als maßgebliche Einflußfaktoren gelten: Transmissionsverluste Fensterkonstruktion , Transmissionsverluste Fenstereinbau, Lüftungsverluste.

Fazit: Eine Vielzahl der auftretenden Feuchteschäden basiert auf mangelhaften Bauanschlußausbildungen, aber nicht nur. Eine bauphysikalisch und technisch richtige Anschlußausbildung ist die Grundlage für funktionsfähige und langlebige Fensterkonstruktionen und nicht zu vergessen zur Vermeidung von Bauschäden. Ein unbedingtes „Muß“: das Zusammenwirken von Planung und Projektierung der Bauanschlüsse durch die Architekten und Bauplaner und die fachlich richtige Ausführung des Fenstereinbaus. Der Bauherr erwartet zu Recht, daß die beauftragte Fenstermontage durch Fachkräfte geplant und auch ausgeführt wird. Die Praxis zeigt allerdings, daß (gerade im Altbau) eine wirkliche Planung stark vernachlässigt wird. Aus Kostengründen werden die fachkompetenten Planer außen vor gelassen, und der Handwerker wechselt einfach die Fenster. Damit übernimmt er meines Erachtens leichtfertig eine Planungsverantwortung und damit auch Planungshaftung.

Dipl.-Ing. Hans-Ullrich Lehner, Energieberater
VDGN-Beratungsstelle Rostock

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