Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Wasser für die Region

Fachtagung des VfU zur siedlungsnahen Abwasserbehandlung


An der VfU-Fachtagung „Semizentrale Abwasserbehandlung – Wasser für die Region“ am 28. April im Ludwig-Erhard-Haus in Berlin nahmen Vertreter von Kommunen und Landkreisen, von Obersten sowie Unteren Wasserbehörden, Geschäftsführer von Zweckverbänden, Umweltexperten von Grundstücksnutzervereinigungen sowie Wissenschaftler, darunter des Instituts Henri Tudor, Luxemburg, teil.

Von den Referenten wurde der überzeugende Nachweis geführt, daß die semizentrale Gruppen-, Siedlungs- oder Ortslösung der Abwasserbehandlung ökologisch wie ökonomisch überall dort vorteilhaft ist, wo im ländlichen Raum nicht mehr kanalisiert wird. Dazu existieren bundesweit positive, belastbare Erfahrungen für das Errichten und Betreiben solcher semizentraler Anlagen durch Bürgervereine, GbR oder Zweckverbände. Es existieren praktisch erprobte Modelle für Satzungen, Verträge, darunter für Nachbarschaftsverträge und für die Gestaltung von Grunddienstbarkeiten (Prof. Helmut Löffler, Dresden). Die individuelle Kleinkläranlage sollte sich auf abseits gelegene Einzelgrundstücke konzentrieren. Im Gefolge der demographischen Entwicklung wächst die Notwendigkeit semizentraler Infrastrukturlösungen (Dr. Susanne Schön, Berlin). Es bestehen bewährte Instrumentarien für Planungsentscheidungen zur Zweckmäßigkeit semizentraler Lösungen (Karl-Heinz Seidel, Leipzig). Einzelne Oberste Wasserbehörden stehen einer semizentralen Abwasserbehandlung durchaus positiv gegenüber (Carsten Schmager, Potsdam), sehen diese Frage jedoch in erster Linie in der Zuständigkeit der Kommunen und Zweckverbände.

Die Erfahrungsberichte aus der Praxis (Carsten Lüdicke, Berliner Wasserbetriebe, Kerstin Härtel, AZV Leisnig, Frank Große, Stadtwerke Jena, Lutz Kunath, Versorgungsverband Grimma-Geithain, Harald Bock, WZV Saale-Fuhne-Ziethe) dokumentierten:

• Bei der Gestaltung der semizentralen Abwasserbehandlung sind sich Zweckverbände und betroffene Bürger weitestgehend selbst überlassen.

• Die Obersten wie die Unteren Wasserbehörden unterstützen diese Entwicklung kaum.

• Individuelle Kleinkläranlagen sind nur selten die ökologisch und ökonomisch optimale Lösung.

• Die derzeitigen praktizierten Modelle der semizentralen Abwasserbehandlung reichen von Gruppenlösungen für vier Grundstücke bis zu Ortslösungen, von der privaten Investition und dem Betreiben der Anlage durch die Bürger bis zur „Rundumsorglos-Lösung“ durch den Zweckverband (Investition und Betreiben der Anlage durch Zweckverband, Grundstückseigentümer zahlt Gebühren).

• Alle Lösungen erfordern einen frühzeitigen und intensiven Dialog mit den betroffenen Bürgern. Dabei sind auch Nachbarschaftsverträge, verbunden mit Grunddienstbarkeiten möglich, wenn das alle Beteiligten für die sinnvollste Lösung halten.

Großes Interesse fand zudem die Modelllösung der Berliner Wasserbetriebe, in Hobrechtsfelde gereinigtes Abwasser in den regionalen Wasserkreislauf zurückzuführen, statt in die Weltmeere abzuleiten.

Welche Schlußfolgerungen legen die Vorträge und Diskussionen der VfU-Fachtagung nahe:

• Zur semizentralen Abwasserbehandlung im ländlichen Raum (und zu gegebener Zeit auch in den derzeit kanalisierten Gebieten, wenn dort die Rohrleitungen erneuert oder überdimensionierte Systeme zurückgebaut werden müssen) besteht keine vernünftige Alternative.

• Die semizentrale Abwasserbehandlung, Gruppen- wie Ortslösungen setzen sich nicht im Selbstlauf durch. Sie bedürfen in erster Linie der gemeinsamen Initiative der Grundstückseigentümer, der Kommunen, der Zweckverbände mit dem Ziel sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich optimaler Lösungen, für die durchaus verschiedene Modelle zur Anwendung gelangen können.

• Von den Obersten Wasserbehörden muß erwartet werden, daß sie ihr Desinteresse an der semizentralen Abwasserbehandlung überwinden und diese Entwicklung aktiv unterstützen (Es ist doch bedenklich, daß die Obersten Wasserbehörden aus Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen trotz mehrmaliger Nachfrage am Thema der Fachtagung nicht interessiert waren und einzig die Oberste Wasserbehörde des Landes Brandenburg ihre Positionen in die VfU-Diskussion einbrachte.).

• Von den Unteren Wasserbehörden ist zu fordern, daß sie die semizentrale Abwasserbehandlung aus ökologischen Erwägungen aktiv unterstützen und undichte Abwassergruben sowie das Verrieseln unbehandelten Abwassers sofort und nicht erst, wie EU-weit gefordert, ab 2015 unterbinden.

• Die Bemühungen, das gereinigte Abwasser wiederzuverwenden und in der Region zu halten, sind entschieden zu verstärken, von neuen grundstücksbezogenen technologischen Lösungen bis zur Einspeisung gereinigten Abwassers in die regionalen Wasserkreisläufe durch die Klärwerksbetreiber.

Der VfU wird gemeinsam mit dem VDGN den Erfahrungsaustausch sowohl zur semizentralen Abwasserbehandlung als auch zur Wiederverwendung von Abwasser, das die Vorsilbe „Ab“ verloren hat, fortsetzen.

Das Programm der VfU-Fachtagung ist unter www.vfuev.de einzusehen. Die CD mit allen Fachvorträgen (Preis: 15 Euro) kann beim VDGN bestellt werden.

Dr. Klaus-Joachim Henkel, Birgit Petsch

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