Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Was im Keller Energie frißt

Über ungedämmte Heizungsanlagen entweicht sehr viel Wärme ins Bodenlose

Energiesparmaßnahmen müssen nicht immer nur Investitionen in Außendämmung, Fensterneuerung oder moderne Anlagentechnik für Heizung und Warmwasserbereitung sein. Wie meine Erfahrungen zeigen, gibt es bei der kritischen Analyse des Istzustands vieler Wohngebäude erhebliche Einsparpotenziale, die oft ohne große finanzielle Aufwendungen erschlossen werden können. Zum einen durch Verbesserung der Gebäudehülle in Bezug auf Dichtigkeit und Wärmebrücken (darüber wurde im Heft 2/3-2009 ausführlich berichtet) und zum anderen im Bereich der Anlagentechnik.

Energieverluste in der Anlagentechnik entstehen bei der Wärmeerzeugung (z. B. Wirkungsgrad des Heizkessels), der Wärmeverteilung (Umwälzpumpe, Verteilleitungen für Heizung und Warmwasser), der Speicherung (Pufferspeicher für Warmwasser, bivalenter Solarspeicher) und bei der Wärmeübergabe (Typ und Qualität der Heizkörperventile).

Wärme geht im Keller verloren

Daß z. B. der Stand-by-Betrieb bei elektrischen und elektronischen Geräten zusätzliche Energiekosten erzeugt, ist bei vielen Hausbesitzern bekannt, und es wird auch danach gehandelt.

In meinen Energieberatungen vor Ort ist mir immer wieder aufgefallen, daß der energetische Zustand der Heizungsanlage oft viel zu wenig Beachtung findet.

An erster Stelle ist hier die Dämmung der Verteilleitungen für Heizung und Warmwasserbereitung im Keller zu nennen. Nicht fachgerecht gedämmte, nur teilweise gedämmte oder überhaupt nicht gedämmte Verteilleitungen sind sehr häufig anzutreffen (Beispiel siehe unten).

Die dabei im Keller frei werdende Heizenergie geht zum größten Teil über den ungedämmten Kellerfußboden, die ungedämmten Kelleraußenwände und die Kellerfenster (oft auch erneuerungsbedürftig) nutzlos verloren.

Wer einen Kellerraum warm haben möchte, sollte dies zielgerichtet mit einem Heizkörper tun und dann auch bedarfsgerecht über Thermostatventile. Das Heizen mit ungedämmten Rohrleitungen ist ungeregelt und findet bei Anlagen für die Warmwasserbereitung dann sogar auch in der Nichtheizperiode statt.

Während ein Meter ungedämmtes Verteilleitungssystem je nach Vorlauftemperatur eine Wärmeleistung von 50 bis 100 Watt erzeugt, sind es im gedämmten Zustand hingegen nur 10 bis 20 Watt. Bei einem Einfamilienhaus führt dieser Unterschied zu einer jährlichen Heizkostendifferenz von 300 Euro und mehr. Aber auch ein „mäßig“ gedämmtes Verteilleitungssystem hat gegenüber der Dämmung nach Vorschrift in einem Einfamilienhaus einen Mehrverbrauch von über 150 Euro pro Jahr. Eine vorschriftsmäßige Dämmung lohnt sich hier also in jedem Fall. Die im Herbst dieses Jahres in Kraft tretende Energieeinsparverordnung EnEV 2009 fordert dies übrigens auch. Gemäß § 10 „müssen Eigentümer dafür sorgen, daß bei heizungstechnischen Anlagen bisher ungedämmte, zugängliche Wärmeverteilungs- und Warmwasserleitungen sowie Armaturen, die sich nicht in beheizten Räumen befinden, zur Begrenzung der Wärmeabgabe gedämmt sind“. Für Rohrleitungen sind folgende Mindestdicken der Dämmschicht, bezogen auf eine Wärmeleitfähigkeit von 0,035 W/mK, gefordert:

• Innendurchmesser bis 22 mm: 20 mm Mindestdicke

• Innendurchmesser über 22 mm bis 35 mm: 30 mm Mindestdicke

• Innendurchmesser über 35 mm bis 100 mm: Mindestdicke = Innendurchmesser

• Armaturen müssen ebenfalls gedämmt werden.

Nachrüsten wird kontrolliert

Bei Gewährung bestimmter Übergangsregelungen sind nach in Kraft treten der EnEV 2009 alle Heizungsanlagen mit diesem Dämmstandard nachzurüsten. Es liegt im Aufgabenbereich der Bezirksschornsteinfeger, dies im Rahmen der Feuerstättenschau zu überprüfen und ggf. Fristen für die Umsetzung festzulegen. Bei Nichterfüllung wird die zuständige Landesbehörde informiert.

Ein weiterer Schwerpunkt der Heizenergieverluste sind Warmwasserspeicher, Pufferspeicher und bivalente Solarspeicher. Da diese Speicher das ganze Jahr über mit hohen Wassertemperaturen arbeiten, ist ein Dämmstandard nach Vorschrift hier besonders wichtig, um Bereitschaftswärmeverluste zu minimieren. Dämmungsmängel an Heizungsanlagen können mit der Thermografie zielgerichtet ermittelt werden. Eine thermografische Untersuchung von installierten Solarspeichern bietet sich z. B. auch zur Qualitätskontrolle an, um Nachbesserungen im Rahmen der Gewährleistung geltend zu machen.

Ein weiteres Einsparpotential kann durch den Einsatz hochwertiger Thermostatventile, den hydraulischen Abgleich und den Einsatz hocheffizienter Umwälzpumpen erschlossen werden. Diese Maßnahmen werden sogar durch staatliche Zuschüsse über die KfW-Bank gefördert.

Mitglieder, die an einer Überprüfung und Optimierung ihrer Heizungsanlage interessiert sind, wenden sich an den VDGN-Unternehmenspool. Thermografische Untersuchungen können an Anlagen zur Warmwasserbereitung und an Solarspeichern übrigens in der gesamten Jahreszeit, also auch im Sommer, durchgeführt werden, da hier immer ausreichende Temperaturdifferenzen vorhanden sind.

Heinz Schöne

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