Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Ufer frei

VDGN-Mitglieder wollen Zugang zu Brandenburger Seeufern offen halten

„Verkauft, verbaut, versperrt – unsere Seeufer in Gefahr“, unter diesem Thema stand eine Veranstaltung am 25. April, zu der der Naturfreunde-Landesverband Brandenburg als Veranstalter auch die Bürgerinitiative Scharmützelsee (BISS) einlud. Der inzwischen dem VDGN beigetretene Verein hatte mit vielen Aktivitäten auf sich aufmerksam gemacht und verzeichnete großen Zulauf (siehe auch Beitrag „Babylonische Rechtsverwirrung“ von Dr. Stefan König, Das Grundstück Heft 2/3-09, Seite 19.)

Zusammengefaßt kann eingeschätzt werden, daß es interessante, Wissen vermittelnde und argumentatorisch vielseitige Darlegungen gab. Eine besondere Aktualität erhielt das gewählte Thema im Zusammenhang mit der gerichtlichen Entscheidung und dem Handeln der wohlsituierten Anlieger am Potsdamer Griebnitzsee, die Teile des Uferweges für Passanten abgesperrt hatten.

Rüdiger Herzog, der Landesvorsitzende der Naturfreunde, spannte in seiner Einleitung den Bogen von den Anfängen der Natur- und Wanderfreunde bis in die Gegenwart.

Organisatorisch 1895 in Österreich gegründet, wandten sie sich dagegen, daß der freie Zutritt zur Bergwelt verwehrt war. Diese befand sich nämlich im Eigentum der Kaiserlichen Familie oder von Adligen. Bei Aktionen dagegen prägte man die Grußformel „Berg frei“.

Angesichts heutiger Verhältnisse an Brandenburger Gewässern leitete er daraus ein Motto des Handelns ab: „Ufer frei“. Die Naturfreunde Brandenburgs – und nicht nur sie – wollen gerade die Forderung eines freien Zugangs der Gewässerufer den Wahlkandidaten in diesem Jahr mit auf den Weg geben.

Dem steht allerdings die Privatisierung von Seen und Wassergrundstücken entgegen. Dabei handelt es sich überwiegend um Immobilien, die in DDR-Zeiten im Eigentum von Ministerien, Parteien und gesellschaftlichen Organisationen standen und als Treuhandeigentum durch den Bund meistbietend veräußert wurden. Dabei können Kommunen in der Regel nicht mithalten. Darauf verwies besonders der Leiter der Abteilung Naturschutz im Brandenburger Umweltministerium, Axel Steffen.

Für die anwesenden BISS-Teilnehmer – Anlieger am Scharmützelsee und Bootssteginhaber – waren zwei Beiträge von besonderem Interesse.

Dr. Björn Grüneberg von der TU Cottbus stellte Ergebnisse regelmäßiger Gewässerkontrollen vor, die die Außenstelle der TU unter anderem am Scharmützelsee vornahm. Er gehört mit über 50 Hektar zu den von der EU überwachten Seen. Seitdem sich dort Abwasserentsorgungsanlagen befinden und das ehemalige sowjetische Sanatorium aufgegeben wurde, entwickelte sich der Röhrrichtbestand außerordentlich gut.

Eine Antwort darauf, ob die 304 Einzelstege (umgerechnet auf Uferlänge 1 Steg pro 100 Meter) die Röhrrichtentwicklung beeinträchtigen, konnte allerdings daraus nicht entnommen werden.

Naturfreund Burkhard Teichert ging in seinem Vortrag auf die Seeuferbebauung ein. Er machte sehr deutlich, daß Uferbebauungen unter 50 Meter Abstand von der Uferlinie und unpassende Bauten von Eigenheimen und touristischen Einrichtungen in der Regel nicht mit der Natur im Einklang stehen.

Mit seinen Ausführungen befanden sich die BISS-Teilnehmer im Einklang. Schließlich leben – von einzelnen Ausnahmen abgesehen – die meisten der Anlieger und Bootssteginhaber in Übereinstimmung mit und von der Natur.

An dieser Veranstaltung nahm Axel Steffen vom Landesumweltministerium als Verantwortlicher für den Bereich „Ländliche Entwicklung“ teil. So nutzten Gäste die Möglichkeit, auf individuelle Probleme aufmerksam zu machen und auf die Auffälligkeiten im Handeln der „Unteren Naturschutzbehörde“ von Beeskow als auch bei der „Unteren Bauaufsichtsbehörde“ in Belzig hinzuweisen.

Rudi Böhm

 

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