Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Bäumefällen für den Klimaschutz?

Der Preis für das Nutzen alternativer Energien ist oft unvertretbar hoch

Erneuerbare Energien nutzen! Das hört sich prima an. Und wer wollte schon dagegen sein, auf diesem Wege zum Klimaschutz beizutragen? Wenn man dies aber in einem Gesetz verbindlich festschreiben will, wie es nun in Berlin geschehen soll, müssen erst einmal die realen Möglichkeiten betrachtet werden. Und die sind in Deutschlands Hauptstadt sehr eingeschränkt.

Die Nutzung von Windkraft kommt in einem Ballungsgebiet wie Berlin schon einmal nicht in Frage, so daß nur die Ausbeutung der Sonnenenergie, der Erdwärme und von Biomasse übrigbleiben.

Wenig Hoffnung auf Sonnenschein

Wie sieht´s aus mit dem Anzapfen der Sonne, wenn sie denn scheint? Für viele Berliner Eigenheime ist sie keine akzeptable Lösung. Ziemlich unwirtschaftlich wird sie zum Beispiel, wenn die Achse eines Gebäudes mit schrägem Dach in der Nord-Süd-Ausrichtung verläuft. Denn die Dachflächen auf der Ost- und der Westseite bekommen wenig vom Sonnenlicht ab. Typisch für Berliner Siedlungsgebiete ist zudem der Bestand an hohen Bäumen. Diese tragen maßgeblich dazu bei, daß die Siedlungsgebiete als grüne Lungen der Hauptstadt fungieren. Für den Einfall der Sonne auf die Sonnenkollektoren allerdings sind sie hinderlich. Sollen Bäume, die per Photosynthese in großer Menge Kohlendioxid verarbeiten, für den Klimaschutz gefällt werden, also für das Ziel, den Ausstoß von Kohlendioxid zu verringern? Welch ein Unsinn!

Für viele ganz kalt: Nutzung der Erdwärme

Aber die Erdwärme, die kann doch jeder per Wärmepumpe zum Heizen seines Hauses nutzen? Schön wär´s. Doch leider ist auch das nicht so einfach. Da Berlin sein Trinkwasser im Stadtgebiet selbst gewinnt, handelt es sich bei 25 Prozent des Berliner Areals um Trinkwasserschutzzonen. In ihnen ist die Nutzung der Erdwärme ausnahmslos verboten.

Aber selbst dort, wo keine Trinkwasserschutzzone besteht, ist die Berliner Wasserbehörde aus guten Gründen bei der Genehmigung von geothermischen Anlagen besonders streng. Sie verlangt von deren Betreibern, „alle wirksamen und verhältnismäßigen Maßnahmen zu ergreifen, um Grundwassergefährdungen auszuschließen oder zumindest zu minimieren“, wie die Regierungsdirektorin Petra Darkow in einem Beitrag für die Zeitschrift wwt wasserwirtschaft wassertechnik (Ausgabe 7/8-2008) schrieb. Unbedingt vermieden werden müsse es, „daß es durch Bohrungen zu einer Verlagerung von Grundwasserverunreinigungen des oberen Grundwasserleiters in den unteren kommt“. Regierungsdirektorin Darkow wies auch auf folgendes hin: Wer eine geothermische Anlage errichte, müsse auch damit rechnen, daß diese unwirtschaftlich sei, weil der Nachbar durch seine Nutzung der Erdwärme den Boden im Umfeld zu sehr abgekühlt habe. Einen Rechtsanspruch dagegen geschützt zu werden, gebe es nicht. Und: „Es gibt kein ´Grundrecht auf Erdwärmenutzung´, wonach es Aufgabe der Wasserbehörde wäre, durch ihre Zulassungspraxis möglichst jedem Grundstücksnutzer den Betrieb einer solchen Pumpe zu ermöglichen.“
So schreibt es Frau Darkow, die der Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz angehört und damit jener Behörde, aus der auch der Entwurf für das Berliner Klimaschutzgesetz stammt.

Heizen mit Pellets: Geldverbrennung

Bleibt als letzte Möglichkeit das Heizen mit Biomasse. Bei einem Eigenheim würde dies realistischerweise den Umbau des Heizkessels auf die Feuerung mit Holzpellets bedeuten. Doch wer das tut, müßte mit dem sprichwörtlichen Klammerbeutel gepudert sein. Denn bei einem normalen Einfamilienhaus mit 110 Quadratmetern Grundfläche, in dem vier Personen leben und das einen spezifischen Energiebedarf von 300 kWh pro Quadratmeter und Jahr aufweist, würde sich folgende Rechnung ergeben: Selbst unter Anrechnung aller jetzt theoretisch noch möglichen Förderungen würde der Umbau des Kessels zu diesem Zweck 13.850 Euro kosten. Doch hinterher würde das Heizen pro Jahr nur 450 Euro weniger kosten. Das ergibt eine Amortisationszeit von fast 31 Jahren. Berücksichtigt sind da noch nicht einmal Zinsen, die verloren gehen, weil Geld für die Anschaffung der Anlage einegsetzt wird statt sich auf der Bank zu vermehren. Und nicht eingerechnet sind zu erwartende Betriebs- und Instandhaltungskosten. Möchte jemand da jemand ernsthaft die Anschaffung einer Pelletsheizung vorschlagen?

Absehbarer Zwang zur Verschuldung

Es zeigt sich: Kommt das Berliner Klimaschutzgesetz, wird ein großer Teil der Eigenheimer alternative Energiequellen gar nicht nutzen können oder deren Nutzung aus wirtschaftlichen Notwendigkeiten vermeiden müssen. Die Betroffenen müßten dann in die Dämmung der Außenwände sowie von Dach- und Kellergeschoß, das Auswechseln der Fenster, den Austausch des Heizkessels und anderes mehr investieren. Nach VDGN-Berechnungen bedeutet das für das besagte 110-Quadratmeter--Haus mit vier Personen ein Investitionsvolumen von rund 40.000 Euro, wobei alle theoretisch möglichen Förderungen schon angerechnet sind. Die meisten der Betroffenen werden das kaum leisten können, ohne sich hoch zu verschulden. Und wer dann noch mit einem saftigen Beitrag für den Straßenbau rechnen muß, wird sich wohl überlegen, ob es überhaupt noch finanzierbar ist, in Berlin in den eigenen vier Wänden zu wohnen.

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