Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Terroristen-Macher

John Le Carrés neuer Roman „Marionetten”


Die schärfsten Kritiker der Elche, waren früher selber welche. Das Bonmot des Zeichners F.W. Bernstein trifft – in Maßen – auch auf den ehemaligen Agenten des britischen Geheimdienstes John le Carré zu. Als Autor von Geheimdienstthrillern gehört er zu den bekanntesten Vertretern dieser Zunft. Er begründete seinen Ruhm schon 1963 mit dem Roman „Der Spion, der aus der Kälte kam“. Dessen Handlung spielte im Kalten Krieg auf dem Boden der beiden deutschen Staaten und Westberlins. Als Schauplatz des Romans „Marionetten“, den Le Carré jetzt mit 77 Jahren vorlegt, hat der Autor Hamburg gewählt.

Le Carré erzählt diesmal seine Geschichte vor der Folie der Hysterie, die um die „islamistische Terrorgefahr“ entfacht worden ist. Hamburg spielt hier bekanntlich eine besondere Rolle, da in der Hafenstadt ein Mohammed Atta studiert hatte, der – laut der von der Bush-Administration in Umlauf gesetzten Theorie – zu den Anschlagsplanern des 11. September 2001 gehören soll. Le Carré zeigt, wie Geheimdienste aus Personen, die ihnen dafür geeignet erscheinen, guantanamofähige „Terroristen“ machen. Die „Helden“ dieses Spiels mit den Mitteln der Lüge, Erpressung, Täuschung und Aufbauschung von Mücken zu Elefanten sind ein junger Russe, der sich selbst als muslimischer Tschetschene sieht, ein islamischer Relegionsgelehrter mit gelegentlichen Kontakten auch zu bewaffneten Kämpfern und der schottische Chef einer ehemals in Wien beheimateten Bank, der Konten mit sehr viel Geld verwaltet, das ehemalige sowjetische Elitekader schon vor 1990 zum Dank für ihre Verbundenheit mit Westgeheimdiensten erhalten hatten.

Den Leser erwartet Spannung und offensichtlich kenntnisgestützte Belehrung darüber, wie US-amerikanische und britische Dienste weiter in Deutschland agieren, als werde dies nicht von einer eigenen gewählten Regierung regiert. Was ihn nicht erwartet, ist große Literatur. Wenn Der Spiegel, vom Verlag auf dem Buchumschlag zitiert, Le Carré mit Balzac und Zola vergleicht, so ist das schlicht Unfug. Auch Krimistars wie Henning Mankell und Jo Nesbö schreiben besser als Le Carré. Doch die Geschichten, die der Brite zu erzählen hat, sind des Lesens allemal wert.

H.B.

John Le Carré: „Marionetten”. Ullstein Verlag. 2008. 368 Seiten. 22,90 Euro.

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