Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Alt und Neu kühn vereint

Halles Moritzburg lockt mit moderner Architektur und erweiterter Kunstausstellung


Mit einer Ruine hat die Stadt Halle seit dem Dreißigjährigen Krieg gelebt. Doch nun sind die alten Wunden an der 500jährigen Moritzburg geschlossen. Das spanische Architektenpaar Fuensanta Nieto und Enrique Sobejano bewahrte mit seinem Entwurf den historischen Bau aus Bruchsteinmauerwerk und gab dem Nord- und Westflügel wieder ein Dach. Die kühne Konstruktion aus Stahl und blankem Schiffsaluminium verschafft den Räumen Oberlicht, und sie läßt große Boxen ins Rauminnere ragen. Sie bilden das Obergeschoß, in dem nun neuer Platz für die Kunstsammlung ist. Vorbei an rauhen Steinen alter Mauern gelangt der Besucher auf einer Galerie hin zu den Ausstellungsobjekten. Dann gibt eine riesige Glasfassade den Blick über die Stadt frei. Der Dom, die Marktkirche und der Rote Turm sind zu sehen. Jene Motive, die bereits Lyonel Feininger zu Gemälden, Zeichnungen, Skizzen und Fotografien inspirierten. Er schuf sie im Auftrage der Stadt, die sie 1931 ankaufte. Doch in der Aktion „Entartete Kunst” der Nazis gingen sie verloren. Ein Teil konnte wiederbeschafft werden, ist nun auf der Empore zu sehen.

Mehr als 2000 Quadratmeter Ausstellungsfläche wurden mit dem kürzlich fertiggestellten Erweiterungsbau hinzugewonnen. Die Klassische Moderne nimmt darin breiten Raum ein. Neuen zeitgenössischen Strömungen fühlte sich die Kunstsammlung schon verpflichtet, als sie vor über 100 Jahren Quartier in der Moritzburg bezog. Auch das Bauhaus im benachbarten Dessau und die Burg Giebichenstein in Halle, heute Hochschule für Kunst und Design, stehen für diese Tradition.

Im ersten Geschoß, „Moderne Eins” genannt, ist Kunst des frühen 20. Jahrhunderts ausgestellt. Die Sammlung Hermann Gerlinger, die sich ausschließlich der Künstlergruppe „Brücke” widmet, hat hier ihren Platz, so Werke Ernst-Ludwig Kirchners, Erich Heckels, Emil Noldes und anderer.

Kunst von 1945 bis in die Gegenwart wird im Obergeschoß („Moderne Zwei”) präsentiert. Werke von Tübke, Mattheuer und Bernhard Heisig sind zu sehen wie auch Fotografien von Helga Paris.

Der erhalten gebliebene historische Baukörper mit Talamt, Wehrgängen und Kuppelsaal ist Kunst der Romantik, des Biedermeier, der Sezession und des deutschen Impressionismus vorbehalten. Vertreten sind unter anderen Caspar David Friedrich und Carl Blechen, Max Liebermann und Max Beckmann.

Historisches Kunsthandwerk wird im Gerichts- und im Festzimmer vorgestellt, die aus dem 16./17. Jahrhundert stammen. Dank Spenden konnte der Altar der Zisterzienserkirche Rothenschirmbach aus dem Mansfelder Land und weitere Schnitzplastiken restauriert und im Gotischen Gewölbe ausgestellt werden.

Kerstin Große

Sonderausstellungen 2009:

• arquitectura concreta – die Architektur von Nieto Sobejano – noch bis 8. Februar

• 90 Jahre Bauhaus. Eine Krone für die Stadt. Walter Gropius im Wettbewerb. Herbst

• Georg Friedrich Händel im Bilde. Zum 250. Todestag. 18. April bis 12. Juli

• Zurück in Amerika. Lyonel Feininger. 1937-1957. 16. Mai bis 30. August

Stiftung Moritzburg, Kunstmuseum des Landes Sachsen-AnhaltFriedemann-Bach-Platz 5, 06108 Halle, www.kunstmuseum-moritzburg.de

Öffnungszeiten: Di. 11-20.30 Uhr, Mi.-So. u. feiertags 10-18 Uhr, letzter So. im Monat Eintritt frei (Tel. 0345/212590)

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