Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Von Pächtern zu Eigentümern

Umweltfreunde im brandenburgischen Halbe haben gute Gründe, dem VDGN die Treue zu halten /


Mit Dr. Siegfried Neubert, 1. Vorsitzender des Vereins, sprach Kerstin Große

Dr. Neubert, Ihr Verein ist seit April 1996 Mitglied des VDGN. Warum sind Sie damals dem Verband beigetreten?
Mitte der neunziger Jahre drehte die Gemeinde Halbe als Verwalter des von uns gepachteten Grund und Bodens kräftig an der Pachtspirale, und ein Ende war nicht abzusehen. Das neue Recht zu Pachtgrundstücken verunsicherte uns. Wir suchten Hilfe und juristischen Beistand. Beides fanden wir beim VDGN.

Nicht vergessen können wir den Protest von über eintausend aufgebrachten Grundstücksnutzern in der Berliner Kongreßhalle am Alex, den unser Verband organisiert hatte. Da spürten wir, daß wir mit unseren Fragen nicht allein sind und die Politiker eine solche Kraft nicht einfach ignorieren können.
Aber neben der politischen Einflußnahme half uns der VDGN auch ganz konkret. Ich denke nur an unsere von der Gruppen-Rechtsschutzversicherung finanzierte Musterklage zur damaligen Pachterhöhung. Zwar unterlagen wir vor Gericht, doch unsere Position gegenüber der Gemeinde als Verpächterin war trotzdem stärker als vorher. Das merkten wir bei unseren Gesprächen mit dem Amtsdirektor und Bürgermeister. Plötzlich gab es einen Weg, die Pacht stabil zu halten. Über viele Jahre hinweg zahlten wir nur 77 Cent pro Quadratmeter – bis zum Kauf unserer Grundstücke 2006/2007.

Wie kam es zum Grundstückskauf?

Wir hatten schon lange die Absicht unsere Grundstücke zu kaufen. Wer will schon ewig mit der Unsicherheit leben, daß das Pachtgrundstück eines Tages gekündigt werden kann. Wir wollten den Wert unserer Baulichkeiten für uns und unsere Kinder dauerhaft sichern. Mehrere jüngere Mitglieder wollten investieren und Ersatzbauten errichten. Aber das hat nur Sinn, wenn Grund und Boden und Aufbauten in einer Hand sind.

Nach der Zurückweisung von Rückübertragungsansprüchen war die Gemeinde zunächst jahrelang nicht bereit, an uns zu verkaufen. Im Jahre 2000 änderte sie ihre Haltung. Sie war jetzt zum Verkauf an alle Interessierten bereit. Der Vorstand unseres Vereins ließ auf Kosten seiner Mitglieder ein Wertgutachten über den Grund und Boden anfertigen und bereitete die Vermessung der Grundstücke vor.

Ein Zuordnungsbescheid der Oberfinanzdirektion Cottbus vom September 2002 machte uns und der Gemeinde einen Strich durch die Rechnung. Dieser Bescheid erklärte die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben
(BImA) zum Eigentümer unserer Parzellen. Für die Gemeinde verblieben der See und Wald sowie die Wege. Wir mußten neue Verbindungen knüpfen und fanden Anfang 2005 in der BImA-Außenstelle Cottbus einen neuen Partner, der zum Verkauf der Grundstücke bereit war. Der Verkauf war aber an die Bedingung geknüpft, alle 38 Grundstücke komplett zu verkaufen – oder gar nicht.

Waren denn alle Vereinsmitglieder bereit, ihr Grundstück zu kaufen?
Nein. Etwa ein Viertel lehnte erstmal ab. Nach individuellen Gesprächen mit Mitgliedern unseres Vorstandes entschloß sich die Mehrzahl, dann doch den Schritt zu tun, andere blieben bei ihrer Entscheidung. Der Vorstand suchte und fand Ersatzkäufer. Teilweise traten diese in die bestehenden Pachtverträge über dreiseitige Verträge ein. Die BImA handelte diesbezüglich schnell und zuverlässig.

Nicht so schnell ging es bei der Vorbereitung der Kaufverträge durch die BImA zu. Aber nachdem wir mit dem zuständigen Leiter Verkauf der BImA Cottbus Verbindung aufnahmen, kamen Verkauf und auch die Vermessung ins Rollen. Anfang 2009 rechnen wir mit dem Eintrag aller neuen Eigentümer ins Grundbuch.

Dem VDGN halten Sie mit dem Verein auch weiterhin die Treue. Was sind die Gründe?
Obwohl ich beim letzten Verbandstag feststellen mußte, daß der VDGN nun auch andere politische Schwerpunkte setzt, verbindet uns viel. Die Zeiten sind ruhiger geworden, das stimmt. Doch das Leben auf der Datsche ist nicht nur idyllisch.

Nehmen wir die Zweitwohnungssteuer: Mit dem Bescheid für 2005, der Nachzahlungen für 3 Jahre einschloß, regte sich bei einigen im Verein der Widerstand. Ein Mitglied klagte mit Unterstützung des Vereins vor dem Verwaltungsgericht. Viele Mitglieder erhoben zum Bescheid 2008 Widerspruch. Wir können uns hierbei auf die moralische und beratende Unterstützung des VDGN, besonders von Rudi Böhm, verlassen.
Mit meinen Fragen und Problemen kann ich jederzeit beim VDGN anrufen. Bernd Lanius als Vereinsbetreuer schätze ich sehr für seine kompetente Unterstützung.

Die Gruppen-Rechtsschutzversicherung könnte für den Verein und seine Mitglieder noch erhebliche Bedeutung erlangen im Zusammenhang mit kommunalen Gebühren und Abgaben. Ich empfahl den Mitgliedern unseres Vereins auch, bei Bedarf die kostengünstige telefonische Rechtsauskunft zu allen Rechtsgebieten zu nutzen.

Mit dem Kauf der Grundstücke setzte bei mehreren Mitgliedern eine rege Bautätigkeit ein. So auch bei mir. Meine Frau und ich haben uns nun einen langgehegten Traum erfüllt und ein Sommerhaus ganz nach unseren Wünschen gebaut. Schließlich ist die Datsche bei uns längst zum Lebensmittelpunkt geworden. Bei der Bauvorbereitung konnten wir auf Angebote des Unternehmenspools des VDGN zurückgreifen. Bauberater Matthes hat uns die lästigen Formalitäten rund um die Baugenehmigung abgenommen und alles mit den Behörden geklärt. Nicht unerwähnt lassen möchte ich den Versicherungspartner des VDGN, die Rheinland Versicherung. Erhebliche Kosteneinsparungen sind hier möglich. Ein starker Partner mit Einfluß und Profil ist für unseren Verein unverzichtbar. Deshalb halten wir dem VDGN die Treue.

In anderen Vereinen ist es nicht selbstverständlich, daß vor allem neu hinzukommende Grundstücksnutzer Vereinsmitglied werden. Wie ist es bei Ihnen? Alle vier neuen Grundstücksnutzer wurden Hauptmitglieder unseres Vereins, so daß heute nur zwei von 43 Grundstücken nicht an unseren Verein gebunden sind. Wir tun allerdings auch eine Menge dafür. Der Verein informiert auf seinen jährlichen Vollversammlungen über die Trinkwasserversorgung, aktuelle Rechtsfragen, die Lage in der Gemeinde, Versicherungsfragen u.a. Die Mitglieder des Vorstandes haben stets ein offenes Ohr für Fragen und Probleme der Vereinsmitglieder. Unsere jährlichen Vereinsfeste sind zur festen Tradition geworden. Waren sie anfangs durch Tanzmusik, Fremdbeiträge und eine Tombola mit vielen Preisen bestimmt, so prägt heute unsere eigene Kulturgruppe „Die Heidelerchen“ das Fest. Wer Lust hat, kann an der Vorbereitung der Vereinsfeste mitwirken, ob als Laiendarsteller oder hinter den Kulissen. Da wird jede Hand gebraucht. Das schweißt zusammen und bringt nicht nur am Tag des Festes, sondern schon viele Wochen vorher Freude und Spaß. Der Verein wurde für viele Mitglieder ein Teil ihres Lebens auf ihrer Datsche in Halbe.

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