Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Vollendung ist machbar…

Berlin: VDGN-Arbeitsgruppe legte Studie für Ost-Tangente vor


Bereits mehrfach hatten wir über die zunehmende Verkehrsbelastung der Anwohner in den Berliner Wohngebieten von Biesdorf, Kaulsdorf, Mahlsdorf und Karlshorst berichtet. Obwohl die Lösung dieses Problems so denkbar einfach und logisch durch die Vollendung der Tangentialen Verbindung Ost (TVO) zwischen der B1/B5 und der Straße An der Wuhlheide erscheint, ziert sich die Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung noch immer, die Gegebenheiten objektiv zu prüfen und den betroffenen Anwohnern eine positive Perspektive zu geben. Da man aber mittlerweile, auch in der Senatsverwaltung, die Proteste von Anwohnern der Köpenicker Straße in Biesdorf, die überzeugend auf zahlreichen vom VDGN organisierten Veranstaltungen zum Ausdruck kamen, nicht ignorieren kann, wurde nun als Allheilmittel für die Köpenicker Straße ein verbessertes Verkehrskonzept ausgerufen. Mittels Bushaltespuren, intelligenten Ampelschaltungen etc. soll der Verkehr flüssiger werden.

Alles gut und schön, nur weniger Verkehrsbelastungen für die Anwohner ergeben sich dadurch leider nicht. Unfähigkeit oder Kalkül? Mehr als einen Fingerzeig für die Beantwortung dieser Frage liefern die Planungen im Zuge der geplanten Sanierung der Eisenbahnstrecke zwischen Berlin und Frankfurt/Oder. Wegen der vorgesehenen höheren Geschwindigkeiten der Züge muß aus Sicherheitsgründen die Brücke am S-Bahnhof Wuhlheide mit größeren Stützabständen versehen werden. Doch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat bei der Deutschen Bahn gleich auch eine Verbreiterung der Fahrbahn und eine Erhöhung der Traglast dieser Brücke mitbestellt, so daß dort künftig auch LKW die Gleise überqueren können. Das aber heißt: Der Abschnitt zwischen Köpenicker Straße und dem Anschluß an die TVO an der Spindlersfelder Brücke wird tauglich für den LKW-Verkehr. Das wiederum bedeutet: Durch die bisher vom LKW-Verkehr verschonte Köpenicker Straße sollen künftig Laster brausen. Man muß da wohl von eiskaltem Kalkül zu Lasten der Anwohner ausgehen. Eine durchlässigere Köpenicker Straße wäre nämlich ein weiteres Argument der Widersacher gegen die Notwendigkeit der TVO.

Der VDGN hat frühzeitig erkannt und gewarnt, daß der Senat eine Hinhaltetaktik praktiziert, welche die Bürger ermüden und davon abhalten soll, immer wieder ihre Anliegen kundzutun. Im Falle TVO ist diese Strategie nicht aufgegangen. Bereits Anfang 2007 ist beim VDGN eine stadtbezirksübergreifende und überparteiliche Arbeitsgruppe gebildet worden, die unter Mitwirkung von hochkarätigen Verkehrs- und Bauplanern sich der Problematik TVO angenommen hat.

Das, was eigentlich Aufgabe der Senatsverwaltung gewesen wäre, nämlich auf die Probleme der Bürgerinnen und Bürger zu reagieren und eine objektive Untersuchung durchzuführen, darauf hat sich die Arbeitsgruppe TVO beim VDGN konzentriert und auf Basis ehrenamtlicher Tätigkeit eine Machbarkeitsstudie zur TVO erstellt, die Mitte Juni 2008 geladenen Abgeordneten aller Fraktionen des Abgeordnetenhauses von Berlin vorgestellt wurde.

Sehr interessiert wurde die Studie auch von den Wirtschaftskreisen der drei Bezirke Marzahn-Hellersdorf, Lichtenberg und Treptow-Köpenick aufgenommen. Nicht nur Verkehrsentlastung in den Wohngebieten brächte die Vollendung der TVO, auch eine verbesserte Anbindung der Gewerbegebiete und damit die dringend erforderliche Verbesserung der Infrastruktur im Osten Berlins.

Die nun vorliegende Studie dokumentiert auch eindrucksvoll den jetzigen Zustand der vorgeschlagenen westlichen Trassenführung entlang der bestehenden Bahntrasse zwischen Biesdorf und Karlshorst. Diese führt zu weiten Teilen über den stillgelegten ehemaligen Rangierbahnhof Wuhlheide, auf dem nach Abzug der GUS-Truppen 1994 eine Hinterlassenschaft von kontaminierten Holzschwellen, verrottenden Betonschwellen, Bergen von Schotter und zunehmenden Müllansammlungen verblieb. Ob im hochverschuldeten Berlin jemals Mittel für eine Beräumung und Renaturierung bereitstehen werden, ist äußerst fraglich. Ein mit Mitteln aus der Bund-Länder-Gemeinschaftsaufgabe und EU-Förderung bezuschußter Straßenbau könnte auch dieses Problem ökologisch lösen.

Auch dem oft verwendeten Argument, eine durchgängige TVO wäre eine Verlockung für den Transit von LKW, die sich dann die Maut auf der A10 sparen und quer durch Berlin rollen würden, hat sich die Arbeitsgruppe gestellt. In der Machbarkeitsstudie werden für die Ein- und Ausfahrten an der B1/B5 und an der Straße An der Wuhlheide intelligente Lösungen vorgeschlagen, die von einem Durchfahrversuch abhalten werden.

Mit dem Vorliegen der Machbarkeitsstudie ist nun die Senatsverwaltung gefordert, sich ernsthaft mit den Anliegerproblemen und den Vorschlägen zur Lösung dieser Probleme auseinanderzusetzen.

Peter Ohm, Leiter der Arbeitsgruppe TVO beim VDGN

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