Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Fußballzeiten – Märchenzeiten

Eine Betrachtung von Gustav-Adolf Schlomann


Hoch-Zeiten im Fußball sind gute Zeiten für die Politik. Während des „Sommermärchens 2006“, als Politiker in Fußballerkabinen und auf Stadiontribünen gebührend und medienwirksam wahrgenommen wurden und viele Bundesbürger auf Fanmeilen an Bierständen und vor Toilettenhäusern Schlange standen, wurden die Pendlerpauschale abgeschafft und die Mehrwertsteuer erhöht. Die Reaktionen hielten sich in Grenzen. Der „Aufschrei der Nation“ war damals größer, als Torsten Frings nach einem Faustschlag an einem Gegenspieler zu Recht für ein Spiel gesperrt wurde. Auch in diesem Jahr zur Europameisterschaft war das Timing zwischen Fußball und Politik wieder so gut, daß es schwerfällt, an Zufall zu glauben.

Daß der Innenminister zu diesem Zeitpunkt etwas planen würde, war medienwirksam offensichtlich gemacht worden. Das Studio eines öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders auf einer Seebühne – etwas teureres Gebührenfinanziertes ist wohl nicht zu haben gewesen – wurde dominiert von einem Auge, Symbol für erkennungsdienstliche Zwecke. Der Bundestag beschloß denn auch neue, weitgehende Rechte für das Bundeskriminalamt, das BKA.

Was in dieser Zeit aber vor allem „über den Tisch“ kam, was uns allen weitaus teurer zu stehen kommt, als Pendlerpauschale und Mehrwertsteuer, war ein „Klimapaket“. Dieser harmlose Name ist die Zusammenfassung von vier neuen Gesetzen, denen der Bundestag zugestimmt hat, während eine fußballbegeisterte Nation mit fahnengeschmückten Autos teurer gewordenes Benzin durch die Gegend fuhr und darüber stritt, ob nun Jens Lehmann doch oder nicht und was Kevin Kuranyi oder Mario Gomez für Deutschland wert seien.

Das Klimapaket beinhaltet das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das Erneuerbare- Wärme-Gesetz, das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz und ein Gesetz zur Liberalisierung des Strommeßwesens. Damit soll das Klima vor den Menschen geschützt werden, vor allem in und durch Deutschland natürlich. Das Problem ist, daß das Paket spektakulär genug ist, um weltweit als beispielgebend zu gelten. Wir sind ja auch (noch) Exportweltmeister, Papst und beinahe Europameister im Fußball geworden. Die großen Konzerne dürfen nicht belastet werden. Die deutschen Autohersteller sollen ja weiter Autos bauen dürfen, mit denen man in einer Stunde 250 bis 300 Kilometer zurücklegen kann, wenngleich auch nur noch in Deutschland. Im restlichen Europa schon lange nicht mehr, weil dort Höchstgeschwindigkeitsbegrenzungen gelten. Und kosten darf es nichts, jedenfalls nicht viel und nicht den Bund. Oberstes Staatsziel ist die Sanierung des Haushaltes. Hinter dieser Formulierung verbirgt sich, daß nach gegenwärtiger Planung erstmals wieder im Jahre 2011 nicht mehr ausgegeben werden soll, als eingenommen wird. Wie würde man einen Privatmenschen nennen, der jahrelang mehr ausgibt, als er einnimmt und einen riesigen Schuldenberg ständig vergrößert? Wie lebenswert ist es eigentlich in einem Staat, der so einem Staatsziel oberste Priorität einräumt? Und vor allem: Wie soll ein solches Ziel erreicht werden? Man könnte es ja auch anstreben, indem man die Einnahmen so erhöht, daß sie an steigende Ausgaben endlich herankommen.

Also bedarf es eines solchen „Klimapaket-Inhaltes“, bei dem vor allem die Bürger zur Kasse gebeten werden können. Entweder direkt oder auf Umwegen. Wirtschaftsinstitute haben errechnet, daß der Schutz des Klimas durch Menschen in Deutschland, wie er jetzt beschlossen worden ist, die Bürger in den nächsten 12 Jahren bis zu 313 Milliarden Euro kosten wird. Die Bundesregierung setzt auf mehr Strom aus erneuerbaren Energien und auf eine Reduzierung des Energieverbrauchs vor allem in der Wohnungswirtschaft durch neue Heizungs- und Klimaanlagen, Wärmedämmung und Wärmerückgewinnung.

Das Institut der Deutschen Wirtschaft Köln macht darauf aufmerksam, daß sich die Jahreswärmekosten für eine 100-Quadratmeter-Wohnung durch Modernisierung um rund 800 Euro senken lassen, die Jahreskaltmiete sich jedoch um 1000 bis 2000 Euro durch die Investition erhöhen würde.( Pressemitteilung vom 16./19. Mai 2008) Das alles setzt überdies voraus, daß sich die Kosten für die Energie nicht erhöhen, was reichlich unwahrscheinlich ist. Wenn man bedenkt, daß fast 50 Prozent aller Eigentümer von älteren Wohngebäuden über 60 Jahre alt sind und sich Investitionen älterer Hausbesitzer für sie selbst nicht mehr lohnen, erscheint es mehr als fraglich, daß selbstnutzende Eigenheimer, die nichts auf Mieten und Nebenkosten aufschlagen können, bereit sind, für Kinder oder Enkel zu investieren.
Es ist keineswegs sicher, daß alle Investitionen tatsächlich den Verbrauch senken. Noch unwägbarer ist, daß sinkender Verbrauch auch zu sinkenden Kosten führt. Wissenschaftler, die dazu raten, das Klima vor den Menschen zu schützen, auf die gehört wird, die mit ihren Argumenten vor allem eine Industrie bedienen, die mit all diesen Maßnahmen riesige Gewinne macht, haben bei der Politik die Lufthoheit für ihre Ideen erobert.

Ernstzunehmende Wissenschaftler, die es als Unsinn betrachten, daß durch Menschen das Klima geschützt werden kann, sondern die dafür plädieren, die Menschen vor dem Klima zu schützen, werden kaum gehört. Vielleicht, weil auch dies teuer wird. Teurer als hier ein Klimapaket, dort eine Einspar-idee, Sparlampen statt Glühbirnen, mehr Maut für LKW und noch eine Plakette für die Innenstadt. Und vor allem, weil hier die Staaten, die Regierungen in der Verantwortung stehen würden, nicht der Hauseigentümer in Nordrhein-Westfalen, nicht die Wohnungsbaugesellschaft in Brandenburg.

Die Erde ist 4,5 Milliarden Jahre alt. Sie hat rund 20 Eiszeiten erlebt. Der ständige Wechsel von wärmeren und kälteren Abschnitten wird maßgeblich durch astronomische Faktoren verursacht, wie der niederländische Geologe und Buchautor Salomon Kroonenberg in seinem Buch „Der lange Zyklus. Die Erde in 10.000 Jahren“ beschrieben hat. (Primus, Darmstadt, 2008). Ohne Autoverkehr und ohne Nutzung fossiler Brennstoffe durch die Menschheit war vor 20.000 Jahren der Meeresspiegel 120 Meter niedriger und die Nordsee eine trockene Steppe. Auch der Freiburger Professor Rüdiger Glaser kommt in seinem Buch „Klimageschichte Mitteleuropas“ (Primus, Darmstadt, 2008) zu dem Schluß, daß sich ohne menschliches Dazutun in der Vergangenheit nicht nur die Temperatur, sondern auch die Klimamuster ständig verändert haben.

Bedroht sind die dichtbevölkerten Küstengebiete. Wer will es verantworten, all den Menschen, die dort angesiedelt sind, zu erklären, daß wir zwar kein Recht auf einen gleichbleibenden Meeresspiegel haben, in Deutschland aber die Glühbirnen ausgewechselt worden sind. Wieso soll es all denen helfen, daß wir nun schon CO2 in die Erde pumpen, die in Megastädten dort angesiedelt sind, wo sich kontinentale Erdplatten aneinander schieben und verheerende Erdbeben auslösen.

Der Klimaschutz ist institutionalisiert und ein Riesengeschäft mit Steuermillionen und Milliarden von Verbrauchern von Energie, mit Mietern und Hauseigentümern, die alle für einen Klimaschutz zur Kasse gebeten werden, der mit „Klimapaketen“ und gefördert durch eine gewaltige Bürokratie daherkommt.

Deiche vor allem in Entwicklungsländern zu bauen, die selber zu arm für solche Investitionen sind, daran kann man nicht verdienen. Menschen umzusiedeln, die in gefährdeten Gebieten leben, das kostet wahnsinnig viel Geld, das die Umzusiedelnden nicht haben.

Daß sich die Natur durch Klimapakete an die von Menschen geschaffenen Gegebenheiten anpassen läßt, wenn wir beispielsweise den Handel mit Verschmutzungsrechten institutionalisieren, ist doch wohl eher unwahrscheinlich. Die Menschheit könnte Einfluß auf die Natur nehmen, auch auf die Folgen des Klimawandels. Sie kann ihn jedoch nicht verhindern. Das kostet sicher viel Geld. Das Geld ist da, nur nicht für diesen Zweck. Die Militärhaushalte steigen weltweit an, 1,34 Billionen Dollar waren es 2006. 45 Prozent davon entfielen auf die USA. Aber Deutschland liegt in einem Tabellenvergleich auf dem sechsten Platz mit 23,7 Milliarden Euro und war drittgrößter Rüstungsexporteur nach den USA und Rußland. Einige Länder Afrikas und Zentralasiens stellen für ihr Militär mehr Geld bereit, als für das Gesundheitswesen.

Wenn es möglich wäre, mit diesen ungeheuren Mitteln und den Erkenntnissen, über die die Wissenschaft schon heute verfügt, zu beginnen, die Menschheit vor dem Klimawandel zu schützen, wäre ein gewaltiger Schritt in die richtige Richtung getan.

Wenn Bundestag, Europaparlament und UNO sich über Maßnahmen zum Schutz der Menschheit vor dem Klimawandel verständigen würden und der Lobby von Windkraft- und Solaranlagen dafür der Zutritt verweigert würde, könnte ein neues „Sommermärchen“ seinen Anfang nehmen. Von mir aus auch mit Deutschlands Bundeskanzlerin an der Spitze. Das jedenfalls ist meine Meinung.

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