Verband Deutscher Grundstücksnutzer

„Senioren gewinnen“

Fragen an Ministerin Petra Wernicke, Sachsen-Anhalt


Weshalb sinkt in Sachsen-Anhalt die Nachfrage nach Kleingärten, sollen Kleingärten sogar „zurückgebaut“ werden? Demographische Faktoren können doch dafür kaum die alleinige Ursache sein.

Die DDR-Regierung hatte Kleingartensparten anlegen lassen, um den Bürgern damit eine Freizeitbeschäftigung anbieten zu können, die dazu noch staatlich kontrollierbar war. Zugleich war dies Teil der Strategie zur Versorgung der Bevölkerung mit frischem Obst und Gemüse, da die Nachfrage danach nicht über die staatlichen Verkaufsstellen abgedeckt werden konnte. Anders stellt sich die Situation nach 1990 und derzeit dar. Durch das ganzjährig vorhandene Angebot an Nahrungsmitteln und vor allem an Obst und Gemüse sowie durch die demographische Entwicklung sinkt die Nachfrage nach Kleingärten. Auf 1000 Einwohner in den neuen Bundesländern kommen 36,3 Kleingärten, in den alten Bundesländern dagegen sind es lediglich 5,9 Kleingärten. 61 Prozent aller deutschen Kleingärten befinden sich in den neuen Bundesländern. So hat die Stadt Magdeburg mit ca. 230.000 Einwohnern 15.717 Kleingärten. Braunschweig mit 250.000 Einwohnern hat 7.936 Kleingärten. Durch die Überalterung der Bevölkerung und der geringer werdenden Übernahme von Gärten insbesondere durch junge Leute werden Kleingärten nicht mehr so umfassend genutzt. Davon betroffen sind etwa 9 Prozent der Kleingartenparzellen in Sachsen-Anhalt. Ein entsprechender Rückbau ist dadurch erforderlich. Die Landesregierung hat deshalb eine Arbeitsgruppe eingesetzt, um in Zusammenarbeit mit dem Verband der Gartenfreunde e.V. in Pilotprojekten erste Umsetzungsschritte zu vollziehen.

In welcher Hinsicht müßte der Kleingarten attraktiver werden, damit er von einer größeren Anzahl von Menschen nachgefragt wird? Was sollte sich dazu im Kleingartenwesen generell und in welche Richtung verändern?
Kleingärten sind und bleiben weiterhin attraktiv. Sie haben wichtige städtebauliche, soziale und ökologische Funktionen. Die relativ geringen Kosten für einen Kleingarten ermöglichen vielen Bürgern soziale Kontakte. Die Mischung aus kleingärtnerischer Betätigung und Erholung findet besonders bei jungen Familien mit Kindern Anklang. Die bestehenden Gartenordnungen finden durchaus Akzeptanz bei der Bevölkerung, weil sie neben den fachlichen Vorgaben individuell gewünschte Spielräume zulassen.

Gibt es in ihrem Ministerium Vorstellungen, wie dafür geworben werden soll, mehr Menschen für den Kleingarten als sozial-ökologisches Potential zu gewinnen?
Der Verband der Gartenfreunde e.V. hat bereits 2005 eine Studie erstellt, um Lösungsansätze zur Entwicklung des Kleingartenwesens bis zum Jahr 2020 aufzuzeigen. Angestrebt wird beispielsweise, Senioren für den Kleingarten zu gewinnen. Heutzutage sind Senioren durchaus noch sehr vital und lassen sich deshalb für Gartenarbeit begeistern. Darüber hinaus gibt es Überlegungen, Behindertenverbände in die Kleingartenanlagen zu integrieren und dafür behindertengerecht Gärten anzulegen. Diese Zielgruppenarbeit soll weiter forciert werden. Ziel kann es nur sein, jedem Interessenten die Möglichkeit zu geben, im Gartenverein eine sinnvolle Betätigung zu finden, Freude und Geborgenheit zu erleben und soziale Kontakte pflegen zu können.

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