Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Direkter Draht zu Nutzern und Vereinen

Fragen an die VDGN-Vertrauensanwältin Dr. Jutta Richter-Thewis

Wie sind Sie auf den VDGN aufmerksam geworden? Auf welchen Gebieten arbeiten Sie als Vertrauensanwältin für die Verbandsmitglieder?Seit 1994 arbeite ich als Anwältin in eigener Kanzlei und befasse mich von Beginn an mit dem Grundstücksrecht in all seinen Facetten, anfangs mit Fragen der Restitution, Sachenrechtsbereinigung, Modrow-Kaufverträgen. So bin ich bald auf den VDGN aufmerksam geworden und lernte den heutigen Verbandspräsidenten Herrn Beleites kennen. Meine Kanzlei, in der inzwischen eine weitere Kollegin, Frau Domnauer mitarbeitet – vor allem zu Fragen des Verwaltungs-, Erb- und Familienrechts – befindet sich in unmittelbarer Nähe des Hauptsitzes des Verbandes. Aber neben dieser räumlichen spielte vor allem eine inhaltliche Nähe die entscheidende Rolle für die nun schon viele Jahre währende gute Zusammenarbeit.

In welchen Bereichen werden Sie heute vor allem für VDGN-Mitglieder tätig?
Heute bearbeiten wir häufig Fragen des Schuldrechts. So werden wir für Grundstücksnutzer tätig, die Probleme mit dem Verpächter ihres Erholungs- oder Garagengrundstückes haben. – Da geht es in letzter Zeit oft um Entschädigungen für die Datsche oder die Garage, eine Frage, die auftaucht, wenn Nutzern gekündigt wird oder wenn sie ihr Grundstück aufgeben müssen. Wir versuchen dann, eine rechtssichere Lösung zu finden. Kommt keine gütliche Einigung zwischen Eigentümer und Pächter zustande, klagen wir berechtigte Entschädigungansprüche ein.

Ein weiteres Betätigungsfeld ist für mich nach wie vor das Sachenrecht. Viele wollen Grundstücke des Landes Berlin nach den Konditionen des Sachenrechts kaufen, das heißt, zur Hälfte des Bodenrichtwerts. Zunächst prüfen wir, ob überhaupt ein Anspruch auf Sachenrechtsbereinigung besteht. Und wir beraten Mitglieder insbesondere zu den Verträgen.

Beraten Sie auch bei „ganz normalen“ Grundstückskäufen?
Natürlich. Die meisten kaufen nur einmal in ihrem Leben ein Grundstück. Umso eindringlicher kann ich nur davor warnen, einen solchen Kaufvertrag „blind“ zu unterzeichnen. Ratsuchende gaben mir schon Verträge zu lesen, die man auf keinen Fall so akzeptieren konnte. Vielen ist die juristische Sprache eines solchen Grundstückskaufvertrages unverständlich. Und manche sind zu schüchtern, um noch beim Verlesen des Vertrages vor dem Notar die letzte Chance zu ergreifen, Unklarheiten anzusprechen und zu klären, bevor sie ihre Unterschrift unter den Kaufvertrag setzen. Häufige Fragen sind beispielsweise: Wann ist der Kaufpreis fällig? Wie kann ich sichern, daß das Grundstück schnell in meinen Besitz übergeht? Wie bekomme ich beim Kauf eines Hammergrundstückes klare Regelungen für das Gehwege-, Fahr- und Leitungsrecht? Mitgliedern kann ich nur empfehlen, im Vorfeld eines geplanten Grundstückskaufs anwaltlichen Rat einzuholen oder die Beratungsstellen des VDGN zu nutzen. Das ist in ihrem ureigensten Interesse. So können spätere umfängliche Streitigkeiten vermieden werden, die nicht selten immense Kosten verursachen.

Auch der Vertrag mit der Hausbaufirma sollte vor der Unterschrift sorgfältig geprüft werden. Ganz entscheidend ist oft, wann welche Zahlungen fällig sind in Abhängigkeit vom Baufortschritt. Auch an einen Sicherheitsbehalt sollte unbedingt gedacht werden.

Sie beraten und betreuen nicht nur einzelne VDGN-Mitglieder, sondern auch Vereine unter dem Dach des VDGN?
Die Vereine fragen mich häufiger um Rat zum Vereinseigentum, zum Beispiel zu Wasser- oder Energieversorgungsanlagen. Da taucht zum Beispiel die Frage auf, wer kann heute eine solche Anlage nutzen, wenn diese von einer früher bestehenden Interessengemeinschaft bereits zu DDR-Zeiten errichtet wurde. Manchmal lassen sich diese Probleme nur gerichtlich klären.

Aber auch zu anderen Fragen bin ich regelmäßig mit VDGN-Mitgliedsvereinen im Gespräch. Über den Vereinsbetreuer beim VDGN, Bernd Lanius, gibt es schnell einen direkten Draht. So veranstalten wir Seminare, in denen ich zum Beispiel Fragen rund um das selbständige Gebäudeeigentum auf fremdem Grund und Boden erläutere oder, was ein Verein beachten muß, der Kaufabsichten in Bezug auf seine Datschengrundstücke hegt. Wie Beispiele aus jüngster Zeit zeigen, geht es häufig darum, mit einem Kauf der Grundstücke das Eigentum an Baulichkeiten langfristig zu sichern. Daß da innerhalb des Vereins unterschiedliche Interessen existieren können, liegt auf der Hand.

Regelmäßig nehme ich an Treffen der Fachgruppe Erholungsgrundstücke teil, deren Berater sich durch hohe Sachkompetenz und große praktische Erfahrung aus unzähligen Gesprächen mit Ratsuchenden auszeichnen. Hut ab vor diesem ehrenamtlichen Engagement! Wer Fragen und Probleme hat, sollte also nicht zögern, diese Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Mit Dr. Jutta Richter-Thewis sprach Kerstin Große

zurück