Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Verschleierte Absichten

Eine Betrachtung von Gustav-Adolf Schlomann


Daß Isaf, OEF und OMTL in irgendeinem Zusammenhang mit Afghanistan stehen, mag einem durchschnittlich politisch Interessierten noch irgendwie bewußt sein. Wesentlich weniger werden wissen, daß Isaf für die International Security Assistance Force steht. Es ist auf etwa 35.000 Soldaten angewachsen, steht unter Führung der NATO, und Deutschland stellt mit rund 3.150 Mann eines der größten Kontingente, welches die Sicherheit und Stabilität in Afghanistan gewährleisten soll, bis irgendwann einmal eine afghanische Regierung dazu selbst in der Lage sein soll. OEF bedeutet eine von den USA geführte Operation Enduring Freedom und beinhaltet den Kampf gegen den Terror. Hier sind Soldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK) im Einsatz. Und dann bilden im Rahmen von OMTL, Operational Monitoring and Liaision, deutsche Ausbilder Polizeikräfte der Afghanen aus, die einmal selbst Sicherheit und Ordnung gewährleisten sollen. Ob die rund 500 Mann starke Truppe zu den sechs fliegenden Tornado-Spähern auch einen eigenen Namen haben, entzieht sich meiner Kenntnis.

Es bleibt zu hoffen, daß Politiker im Bundestag, von denen in den meisten Fraktionen fast alle für alles, in einigen Fraktionen einige nicht für alles aber für einiges und in einer Fraktion für nichts stehen, wissen, welche Verantwortung sie bei Entscheidungen für Verlängerung, Ausweitung oder Einschränkung von Mandaten tragen. Aber was heißt schon „tragen“. Tragen müssen sie eigentlich gar nichts. Ihre Haut zu Markte tragen, also mit Leib und Leben ein zustehen für die Beschlüsse haben die, die auf die Beschlüsse keinen Einfluß haben. Und finanziell müssen die, die beschließen, nichts aus der eigenen Tasche tragen. Längst sind die Zeiten vorbei, daß „Staatenlenker“ sich auf ihre Rösser geschwungen haben, um an der Spitze ihrer Truppen in Kriegen wenigstens bis zu einem Feldherrenhügel mitzureiten, von dem aus sie ihre Truppen in den Kampf geschickt haben. Schade eigentlich! Ja, und was heißt „Kriege“? Heute werden keine Kriege mehr geführt, jedenfalls nicht gegen Staaten. Man muß sie nicht formell erklären, es sind ja nur „Operationen“, „Missionen“, manchmal mit, manchmal ohne UNO, und wenn mit, dann unter Umständen auch mit Lug und Trug herbeigeführten „Begründungen“ im Sicherheitsrat, die mit Sicherheit nicht die wahren Absichten zum Ausdruck bringen sondern sie eher verschleiern. So selektiv, wie in Deutschland Deutsche in Afghanistan sehen, werden sie in Afghanistan ganz offensichtlich nicht gesehen. Wer fliegt oder nur Kontrollen fährt, wer nur beschützt oder Polizisten für ein weitgehend nicht akzeptiertes staatliches Regime ausbildet, wer im Norden agiert oder im Süden, er ist Teil ausländischer bewaffneter Mächte, die in den Augen der Mehrzahl der Bewohner des Landes dort heute genau so wenig zu suchen haben wie damals die Sowjets.

„Gotteskrieger“, von den USA über Pakistan finanziert und bewaffnet, haben zehn Jahre benötigt, die Sowjetunion zum Abzug aus Afghanistan zu zwingen, und weitere zwei Jahre, das aus Moskau unterstützte Najibullah-Regime im Lande zu beseitigen und in Kabul einzuziehen. Das Wort El Qaida, aus dem arabischem stammend, soviel wie „Basis“ oder „Fundament“ bedeutend, war zu dem Zeitpunkt und vor dem 11. September 2001 in Afghanistan nahezu unbekannt. Mit einem von den USA installiertem Regime, dessen Präsident lange und lukrative Geschäftsbeziehungen zu texanischen Ölgiganten gepflegt hatte, hätte nun dem Bau einer Pipeline, die unter Umgehung von russischem und iranischem Territorium den Transport von Erdöl und Erdgas aus Zentralasien an das pakistanische Ufer des Indischen Ozeans garantieren sollte, im Grunde nichts mehr im Wege gestanden, nachdem US- Stützpunkte in Pakistan, das zum Vasallen der USA gemacht worden war, hinreichend abgesichert war. Wenn, ja wenn sich nun die, die die Hauptlast der Vertreibung der Sowjets getragen haben, nun nicht gegen die US-amerikanischen Absichten gestellt hätten, das aufgezwungene Regime nicht bereit waren zu akzeptieren und nun selbst Ziel amerikanischer Bomben - und Lenkwaffenangriffen, von Vakuum - Bomben, anderen Explosivmonstern mit denen man Berge versetzen kann, von Napalm und anderen Horrorsubstanzen geworden wären. Seit dem amerikanischen Siegeszug im Spätherbst des Jahres 2001 in Afghanistan ist das Land weder befriedet, noch hat eine Art „nation building“ stattgefunden. Die Taliban sind auf dem Vormarsch, beherrschen weite Teile des Landes, schränken den Präsidenten auf einen Machtbereich ein, der gerade so die Hauptstadt umfaßt, und hier auch nur auf ausländisches Militär gestützt. Drei Viertel der Weltproduktion Heroin werden aus Rohopium hergestellt, das unter den Augen schwer bewaffneter Kräfte aus vielen Ländern in Afghanistan angebaut wird.

Die Welt ist seitdem nicht sicherer geworden. Die Zahl der Geiselnahmen, der Anschläge, der Attentate nimmt zu, und ein Einsatz mit deutscher Beteiligung am Hindukusch, der bereits so lange währt, wie der gesamte Zweite Weltkrieg, hat an der angeblich unabdingbaren Wende für Afghanistan keine Änderung der Lage zu bewirken vermocht.

Nicht anders ist die Lage im Irak. Der Eroberungskrieg gegen den Irak, 2003 vom amerikanischen Präsidenten unter Losung „Iraqi Freedom“ begonnen, kann inzwischen ebenfalls auf der ganzen Linie als gescheitert angesehen werden. Sicher, Sadam Hussein und seine machtausübende Sippe sind gestürzt worden. Übrigens genau jene Kräfte, die von den USA zuvor finanziell unterstützt und mit Waffen versorgt worden waren, so lange das Regime, das damals nicht weniger verbrecherisch, nicht weniger korrupt war, als es gut genug war, gegen den zu Iran kämpfen.

Aber aus der Absicht, aus dem Irak einen Leuchtturm der Freiheit nach westlichem Vorbild zu machen, ihn mit allen Errungenschaften einer parlamentarischen Demokratie auszustatten, den Segen der freien Marktwirtschaft zu bringen, ein idyllisches Vorbild zu schaffen, das auf alle arabisch-islamischen Staaten ausstrahlen sollte, Despoten und religiöse Fanatiker zur Heilslehre des freien Westens bekehren sollte, daraus ist ja nun wohl auch im Entferntesten nichts geworden.

Trotz der zehn Milliarden Dollar, die die USA Monat für Monat hier aufwenden, trotz 3.600 toter US-Soldaten in vier Jahren. Was die USA im Irak von Anfang an vor allem gesucht haben, waren der Zugriff und die ungehinderte Ausbeutung eines der reichsten Ölvorkommen der Erde.

Der Krieg gegen den Terrorismus ist Vorwand, Begründung in der Hoffnung, daß die Welt das so auch abnimmt. Überwiegend geht die Rechnung ja auch auf. Jedoch: Terroristen sind Überzeugungstäter, der Terrorismus ist eine Kampfform, eine Technik, mit der man Menschen umbringt. Er ist nicht an Staaten, nicht an Völker, nicht an Parteien, nicht an Regierungsformen, gebunden. Wir haben die RAF in Deutschland, die IRA in Nordirland erlebt, die ETA macht zeitweise Spanien unsicher. Der Terrorismus ist nicht an eine Religion gebunden, obwohl sich derzeitig Terroristen vor allem auf eine solche berufen, ohne daß deren Anhänger mit Terroristen gleichzusetzen sind. Die Flugsicherheit erhöht man nicht mit einem Regiment Panzer um den Flughafen, wenn ein Terrorist mit Sprengstoff im Schuhabsatz ein Flugzeug in die Luft sprengen will. Die Anleitung dafür, wie man den Sprengstoff baut und in den Schuh bringt, muß man nicht in den afghanischen Bergen erlernen sondern kann dies überall auf der Welt.

Die Entscheidung, mit mehr militärischem Einsatz in Afghanistan oder dem Irak den Terrorismus bekämpfen, mehr für die eigene Sicherung, für die eigene Freiheit tun zu müssen gleicht dem Rat an einem im Morast versinkenden, stärker zu trampeln.

Mir kann doch keiner glaubhaft erklären, daß die USA, Frankreich, England, Deutschland und andere Staaten einen ungeheuren finanziellen Aufwand betreiben, Angehörige ihrer Armeen in Gefahr bringen, nur damit im Irak, der unter den Augen des anwesenden Militärs in eine humanitäre Katastrophe versinkt, oder in Afghanistan sich Frauen unverschleiert und ungefährdet auf den Straßen des Landes bewegen können, so wünschenswert dies aus unserer Sicht auch wäre.

Karl Marx hat die Bedeutung der Arbeit für den Profit untersucht. Aber kein Auto fährt, kein Flugzeug fliegt, kein Schiff bewegt sich, keine Maschine arbeitet ohne Energie. Energie, das sind heute vor allem noch Erdöl, Erdgas. Kohle. Ohne Energie bleiben Maschinen nutzloses Metall, egal, wie viel menschliche Arbeit für sie einmal aufgewendet worden ist. Dafür werden Kriege geführt, nicht für Kopftücher. Aber zu Energie benötigt man Rohstoffe, aus denen man Autos, Flugzeuge, Schiffe und vor allem Waffen produzieren kann. Erze, Nickel, Aluminium, Kupfer, Zink werden immer begehrter, knapper, teurer. Um die Gewinnung dieser Rohstoffe in einer bislang unzugänglichen Gegend dieser Welt, der Arktis, hat der kalte Krieg bereits begonnen, das jedenfalls ist meine Meinung. Auch Frau Merkel hat sich das von Grönland aus bereits einmal angesehen.

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