Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Wasser in die Spree...

... oder: die teuren Kapriolen des Truknkwasserschutzes in Berlin-Johannisthal

Stolz könnte man eigentlich verkünden: Der Trinkwasserverbrauch in Berlin ist auch im vergangenen Jahr wieder kontinuierlich gesunken. Was im ersten Moment bei der in vielen Regionen dieser Erde vorherrschenden Wasserknappheit als positive Nachricht anmutet, ist in Wahrheit ein Alarmsignal sondergleichen.

Die mit dem sinkenden Wasserverbrauch einhergehende verminderte Förderleistung der Berliner Wasserwerke hat bereits ursächlich zu einem Anstieg des Grundwasserspiegels geführt.

Im Gebiet rund um Johannisthal brachen nach der Wende große Industriekapazitäten weg und damit kam es zu einem drastischen Rückgang der Abnahmemenge für das örtliche Wasserwerk. Um eine Vernässung der Bebauung im Umfeld des Wasserwerkes Johannisthal zu verhindern, darunter auch denkmalgeschützte Häuser des Architekten Bruno Taut, praktizieren die Berliner Wasserbetriebe seit einigen Jahren eine Lösung, bei der täglich ca. 30.000 m³ aufbereitetes Wasser (in fast Trinkwasserqualität) über ein Rohrsystem in den Teltowkanal gepumpt werden. Jährlich sind das ca. 10 Mio. m³ Wasser die bewegt werden müssen. Allein die für den Pumpvorgang erforderliche Energiemenge verursacht eine Kohlendioxidemission von mehreren hundert Tonnen!

Aber damit nicht genug, in Johannisthal geht der Wahnsinn weiter, sichtbar in seit Monaten aufgebrochenen Straßen, in deren Verlauf durch eine Tiefbaufirma im Auftrage der Berliner Wasserbetriebe sogenannte doppelwandige Abwasserrohre verlegt werden. Warum geschieht das? Wir erinnern uns an das oben genannte Wasserwerk, das durch eine Trinkwasserförderung berechtigterweise ein Trinkwasserschutzgebiet beansprucht. Im Bereich der Wohnsiedlung, konkret die Trinkwasserschutzzone 2, aus der dann die Forderung nach doppelwandigen Abwasserrohren resultiert. Nur das dieses Wasserwerk seit 2001 kein Trinkwasser mehr für den menschlichen Verbrauch liefert, sondern das aufbereitete Wasser in den Teltowkanal pumpt. Und das wird auch bis ins Jahr 2014 so bleiben.

Ab 2014 soll das Wasserwerk dann wieder an die Trinkwasserförderung angeschlossen werden, was aber bedeuten würde, in dem Gebiet rund um Johannisthal müßte entgegen aller Entwicklungen, ein überdurchschnittlicher Mehrverbrauch an Trinkwasser entstehen - bei der augenblicklichen Preispolitik, aber ein eher nicht zu erwartender Trend.

Wer trägt die Kosten für diesen Wahnsinn? Nach Auskunft der Berliner Wasserbetriebe wird der Austausch der Leitungen im öffentlichen Bereich von allen Schmutzwasserkunden über das Schmutzwasserentgelt getragen.
Das erklärt dann auch gleich allen Bürgern, die es noch nicht wußten, beispielhaft die Notwendigkeit der Preissteigerungen des Berliner Schmutzwassertarifes von 2003 bis 2006, von 1,959 Euro/m² auf 2,465 Euro/m².

Doppelte Freude ist jedoch den Anwohnern in der seit 31. August 1999 neu festgesetzten Trinkwasserschutzzone vergönnt. Die Kosten für die Herstellung der im Eigentum der Grundstückseigentümer befindlichen Hausanschlußkanäle sind durch sie allein zu tragen. Und das in Form eines Anschlußbeitrages in Höhe von 1.960 Euro der dem eines Neuanschlusses entspricht, obwohl alle Anlieger bereits über einen Anschluß an die öffentliche Abwasserkanalisation verfügen, sowie einen Kostenbeitrag in Höhe von 200 Euro je Meter Anschlußlänge. Möglich macht dieses erneute Abkassieren der Anlieger ein vom Berliner Senat abgesegneter Passus in den ABE (Allgemeine Bedingungen für die Entwässerung in Berlin), der neben dem Neuanschluß auch die Kosten bei Veränderung des Hausanschlusses dem Grundstückseigentümer aufbürdet.

Sollte wie befürchtet auch 2014 das Wasserwerk Johannisthal nicht mehr in die Trinkwasserförderung einbezogen werden, hat Berlin mal wieder viel Geld seiner Bürger unnütz, im wahrsten Sinne des Wortes, verbuddelt.
Es bleibt zu hoffen, daß die Briefe betroffener Anlieger zu dieser Misere an die zuständigen Politiker wie Senator Harald Wolff, als Aufsichtsratsvorsitzender der Berliner Wasserbetriebe, Senatorin Katrin Lompscher und Bundesumweltminister Siegmar Gabriel aber auch an die Spitzen der Regierungskoalition, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Minister Franz Müntefering, eine Initialzündung bewirken, dem Wahnsinn Einhalt zu gebieten.

Peter Ohm

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