Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Kompetente Klärung

VDGN-Fachleute beraten Grundstückseigentümer zur Abwasserentsorgung


Viele kleine Dörfer und Ortsteile werden in Brandenburg nicht mehr an ein zentrales Kanalisationsnetz angeschlossen. Das Land stellt für den Kanalisationsanschluß abgelegener Orte keine Fördergelder mehr bereit. Das gilt auch für den Ortsteil Elisenau der Gemeinde Ahrensfelde mit zirka 200 Grundstücken, die von etwa 500 Einwohnern bewohnt werden. Das anfallende Abwasser entsorgen Abfuhrunternehmen. Allerdings sind die Abfuhrpreise des zuständigen Zweckverbandes um über 30 Prozent gestiegen, weitere Steigerungen wurden angekündigt.

In Elisenau hat sich eine Arbeitsgruppe gebildet, die mit Hilfe der Fachgruppe Wasser/Abwasser des VDGN untersucht, welche technischen Möglichkeiten bestehen, um für jedes Grundstück eine Abwasserentsorgung zu realisieren, die auf Dauer finanziell die beste Lösung darstellt. Nach den Festlegungen der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie, die seit dem 1. Januar 2006 auch für Deutschland gilt, gibt es für Siedlungen mit mehr als 2000 Einwohnern außer dem Anschluß an ein zentrales Entsorgungsnetz noch die Möglichkeit der Abfuhr aus einer dichten Grube oder die Installation einer dezentralen biologischen Abwasserreinigungsanlage auf dem Grundstück. Für mehrere Grundstücke, Ortsteile oder ganze Ortschaften käme auch die Installation einer semizentralen Abwasserbehandlungsanlage in Frage.

Zu diesen drei Varianten ist folgendes zu sagen:

Die Abfuhr aus einer dichten Grube ist immer die teuerste Entsorgungsart, wenn nicht der sogenannte Solidarpreis (Abfuhrkosten /m³ gleich Einleitkosten/m³) zum Tragen kommt. Doch dabei handelt es sich um eine Kann-Bestimmung, nach der in Brandenburg gerade mal zwei Zweckverbände verfahren, weil sie es sich finanziell leisten können.

Leben ein oder zwei Personen auf dem Grundstück, bleibt oft nur die Abfuhr, weil eine biologische Kleinkläranlage mit dem relativ geringen Anfall von Abwasser nicht sicher funktionieren kann. Es sei denn, man einigt sich mit Nachbarn, eine gemeinsame Anlage zu errichten.

Wenn der zuständige Zweckverband wie im Fall Elisenau bereit ist, für die Grundstücke der Ortschaft eine Befreiung vom Anschluß- und Benutzungszwang zu erteilen, und die Untere Wasserbehörde den vorgesehenen Anlagen zustimmt, kann die Abwasserbehandlung nach §18 des Wasserhaushaltsgesetzes über dezentrale biologische Grundstückskleinkläranlagen erfolgen.

Für den Einsatz von Kleinkläranlagen bestehen folgende Grundvoraussetzungen:

- Die Anlage muß außerhalb von Trinkwasserschutzgebieten liegen.

- Eine Einleitung des gereinigten Abwassers in stehende Gewässer ist grundsätzlich unzulässig.

- Bei Versickerungsanlagen muß der Untergrund versickerungsfähig sein.

- Sofern das gereinigte Abwasser versickert werden soll, muß ein vertikaler Mindestabstand der Sickeranlage von 1,50 Meter über dem höchsten Grundwasserstand eingehalten werden.

- Die Verbringung in einen vorhandenen Vorfluter ist auch möglich.
Es muß ein Mindestabstand von 50 Metern zwischen der Versickerungsanlage und dem nächsten Brunnen (auch auf Nachbargrundstücken) eingehalten werden.

Eine weitere Möglichkeit der Abwasserbehandlung ist eine sogenannte semizentrale Lösung. Solche Anlagen zu errichten, wird entweder durch den zuständigen Zweckverband organisiert; oder die betroffenen Bürger nehmen es selbst in die Hand, einen Verein zu gründen, nachdem die notwendigen Beschlüsse bei der Gemeinde und dem Zweckverband gefaßt sind. Beispiele solcher erfolgreich - zum finanziellen Vorteil für alle Mitglieder - arbeitenden Vereine gibt es in Deutschland.

Betroffene, die sich mit ähnlichen Problemen wie die Bürger in Elisenau konfrontiert sehen, sollten alle Möglichkeiten der fachlichen Beratung nutzen und in der Gemeinschaft nach Lösungen suchen. Die VDGN- Fachgruppe Wasser/Abwasser informiert gern zu weiteren rechtlichen und technischen Details; sie verfügt über die nötigen Kontakte, um optimale Lösungen für Ihr Abwasserproblem zu finden.

Peter Beisert, VDGN-Fachgruppe Wasser/Abwasser

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