Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Die Zeit ist reif!

Von Dr. Klaus-Joachim Henkel, 1. Vizepräsident des VDGN

In Venezuela werden derzeit Straßenkinder vom Staat und von Hilfsorganisationen mit Musikinstrumenten beschenkt, in Musikschulen ausgebildet, und inzwischen musizieren etliche von ihnen in erfolgreichen Orchestern mit Gastspielen in aller Welt. Diesen Kindern sind ein neues Selbstwertgefühl, soziale Geborgenheit und eine Perspektive geschenkt worden. Der Straßenkriminalität sind sie entzogen.

Deutschland kann davon lernen, wie man kreativ mit den Folgen sozialer Verwerfungen umgehen könnte. In diesem, unserem Land leben Millionen Menschen mit immer mehr freier Zeit und immer weniger Geld, als Arbeitskraft entwertet, viele von ihnen ohne sozial gesichert Perspektive, von gesellschaftlicher Isolierung und Altersarmut bedroht. Die meisten sind Mieter.

Der Klimawandel heizt die Städte auf, wenn sie nicht über ausreichende Grünflächen verfügen. Mehr öffentliches Grün erlauben die knappen Kassen der Kommunen nicht. Ergo müssen die privaten Grünflächen erhalten bleiben und erweitert werden.

Privates Grün trifft Mieter - so würden Werbefachleute vielleicht das verknappt wiedergeben, was zum Programm von Bund, Ländern, Kommunen und Verbänden werden muß. Die Naherholung in den Städten und Gemeinden muß aufgewertet werden, aus ökologischen Gründen und als unverzichtbares Element einer sozialen Stadt, als Raum der Selbstverwirklichung der Menschen, des Umweltschutzes und der sozialen Integration aller Bevölkerungsgruppen, als elementares Betätigungsfeld einer aktiven Bürgergesellschaft.

Die Flächen für privates Grün müssen aus jeglicher Grundstücksspekulation heraus gehalten werden und einen starken Bestands- und Rechtsschutz erhalten. Investitionsschutz und sozialverträgliche Pachten müssen ihre Merkmale werden. Grün muß dominieren, doch auch Wohnen in diesen grünen Lungen der Stadt muß dort, wo es möglich ist und Tradition besitzt, legalisiert sein.

All diese Überlegungen veranlassen den VDGN, gemeinsam mit der Bundesarbeitsgemeinschaft für ein modernes Kleingartenwesen, seit Jahren eine Novellierung des Bundeskleingartengesetzes zu fordern, damit die grünen Oasen sicherer, familienfreundlich und bezahlbar werden und bleiben. In jüngster Zeit ist Bewegung in die Sache gekommen. Die Zahl der Akteure muß aber weiter wachsen, beginnend bei den Abgeordneten des Deutschen Bundestages und den Mitgliedern der Bundesregierung, über Länder und Kommunen bis hin zu den Kleingärtnern und deren Vereinigungen. Und eine Reihe wichtiger Sachfragen, bis hinein in das Baurecht, müssen in breiter Einvernehmlichkeit auf Bundesebene einer tragfähigen Lösung zugeführt werden.

Der VDGN wird weiterhin seinen Teil dazu beitragen, daß aus Ideen politische Programme und geltendes Recht, daß aus Worten Taten werden, daß die Traditionen des Kleingartens in der sozialen Stadt eine feste Heimat und eine gedeihliche Zukunft finden.

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