Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Die Sprache von Bildern

Eine Betrachtung von Gustav-Adolf Schlomann


Bilder können nachhaltig und einprägsam sein, oft mehr als eine bildhafte Sprache. So wird es vielen auch heute noch nach Jahrzehnten mit jenem Foto ergehen, das ein vietnamesisches Mädchen zeigt, das mit nichts als der eigenen Haut bekleidet und angstverzerrtem Gesicht aus einem von Amerikanern mit Napalm in Brand zerbombten Dorf flieht. Solche Bilder werden heute vermieden. Sie sind einfach zu einprägsam. Die Schrecken der Kriege sind deshalb nicht geringer geworden. Heute werden die Bilder von Kriegsschauplätzen ausgewählt. Präzisionsbomben und -raketen, die „präzise“ Tod und Vernichtung ins Ziel tragen sollen, bestenfalls noch, Opfer schon nicht mehr. Auf die Präzision kommt es an, nicht auf Kollateralschäden. Fotografen und Journalisten werden in die kämpfende Truppe „eingebettet“. Richtiger wäre „angekettet“. Jedoch einbetten klingt geradezu fürsorglich und besser als an die Kette gelegt.

Seit meinen Kindheitstagen hat sich mir ein Bild eingeprägt. Es zeigte in der Zeit der Weltwirtschaftskrise Arbeiter in den USA, die Milch aus Kannen auf die Straße schütten, um den Preis für die Milch hoch zu halten. Seitdem steht dieses Bild für mich als Synonym für die Krankheit eines Systems.

Wie friedlich und freundlich waren jene Bilder vor einigen Jahren bei uns von Feldern, auf denen Löwenzahn blühte, weil Prämien für stillgelegte Ackerflächen, die sonst Nahrungsmittel produzieren könnten, gezahlt und die Bauern bei Strafe von der Produktion abgehalten wurden, nur um die Preise hoch zu halten. Bilder von einer Milchquote oder wie damals in den USA gibt es wohlweislich nicht. Die gleiche Krankheit des Systems, aber mit freundlichen Bildern. Diese Bilder wurden von bestimmten Politikern und ihren Anhängern sogar noch bejubelt. Jede Zecke und Kröte, für die nun angeblich neuer Lebensraum entstand, zählt mehr, als 440 Millionen Menschen, die jedes Jahr sterben, weil sie schlicht und einfach verhungern. Zum Vergleich: Der Zweite Weltkrieg forderte in sechs Jahren 55 Millionen Tote. Für sie wurden Denkmale, Monumente errichtet, aber wo steht eines für die Verhungerten dieser Welt? Wer bekennt sich zu ihnen?

Nun wandeln sich die Bilder erneut. Sind unendliche, an den Horizont reichende blühende Raps- und Sonnenblumen-, Mais- und Getreidefelder nicht ein friedliches, ein beschauliches Bild ländlicher Idylle? Doch nach dem Willen der Politik sind das erneuerbare Energien, mit deren Hilfe das Wetter in der Welt verändert werden soll. Mehr als 12 Prozent der Ackerfläche in Deutschland, ca. 20.000 Quadratkilometer, sollen mit steigender Tendenz der Nahrungsmittelproduktion entzogen werden. Während die stillgelegten Flächen etwa 1.200 Quadratkilometer ausmachten, soll nun bestes Ackerland die Energie- und Kraftstoffbasis stärken. Die Politik nennt das Klimaschutz.
Mit Steuerbefreiung für Biokraftstoffe und Prämien für Windmühlen soll
der Ausstoß von Treibhausgasen reduziert und der Klimawandel gestoppt werden. Kohlendioxis wird generell als Killergas verteufelt, obwohl es in einem ausgewogenen Verhältnis lebensnotwendig ist. Wieder sind es Bilder von qualmenden Schornsteinen, vor allem von Kühltürmen, die dicke Wolken angeblichen Kohlendioxis ausstoßen, wie die Bildunterschriften lauten, die uns fürchten machen sollen, obwohl wir früher in der Schule gelernt haben, daß Gase nicht zu sehen sind und aus den Kühltürmen Dampf, aber kein Kohlendioxis kommt. Deutschland macht, 2004 mit 3,4 Prozent Anteil am
weltweiten Ausstoß der Treibhausgase beispielgebend für den Rest der Welt mobil gegen den Klimawandel und will den Titel eines Weltmeisters auf diesem Gebiet, für den der Kanzlerin nichts zu teuer wird, wie es die Frankfurter Allgemeine Zeitung auf den Punkt gebracht hat.

Die Klimaschutzdebatte hat neben dem „Krieg gegen den Terror“ Priorität für die Politik. Wer wollte sich hehren Zielen verweigern, daß nach dem Willen der Bundesregierung ein Klimaschutzplan für Deutschland vorsieht, daß bis 2020 die Kraftstoffbeimischung auf 20 Prozent steigen soll? Auch in Kraftwerken und Heizkesseln soll immer mehr Biomasse verfeuert werden. 17 Prozent des Energiebedarfs sollen mit Pflanzen gedeckt werden, die damit der Nahrungsmittelerzeugung entzogen und deren Preise weiter steigen lassen wird.

Eine durch schreckliche Naturkatastrophen mit steigenden Verlusten an Menschenleben verunsicherte Bevölkerung nimmt hin, daß ohne wissenschaftlich exakt begründete Erkenntnisse vergangener Klimaentwicklungen und mit krassen Übertreibungen höchst ungewisser Computerprognosen, die in unglaubwürdigen Schlußfolgerungen
zusammengefaßt und dogmatisch militant vertreten werden, Maßnahmen
Eingang in die praktische Politik finden, deren Konsequenzen uns und unseren Kindern noch teuer zu stehen kommen wird. Obwohl wissenschaftlich noch nicht geklärt ist, welcher real gegebene Zusammenhang zwischen von Menschen verursachten Klimaveränderungen einerseits und den Katastrophen andererseits tatsächlich besteht, scheint völlig aus dem Blickfeld zu geraten, daß der Mensch viel verletzlicher als die Natur ist.

Wie wenig Geld und Forschungskapazität wird investiert, um die Menschen vor dem möglicherweise ja nur unbedeutend vom Menschen zu beeinflussenden Wandel des Klimas zu schützen? Wie ist sonst erklärbar, daß kaum ein Politiker in Reden zu welchem Thema auch immer, ohne den Klimawandel zu beschwören, den Klimaschutz einzufordern, kurz daraus eine Ideologie zu machen, auskommt. Jede Wettererscheinung, ob es gerade viel oder wenig regnet, wird zur Klimaänderung stilisiert und jede Lawine als Menetekel drohender Klimakatastrophen an die Berge gemalt.

Das Klima auf der Erde hat sich gewandelt, seit die Erde existiert. In mehreren Perioden gab es eine starke Vergletscherung weiter Landgebiete, in vier großen Eiszeiten der Erdgeschichte. Für den angenommenen (wer das wohl gemessen hat?) damaligen allgemeinen Temperaturrückgang auf 8 bis 13 Grad C unter die heutigen sogenannten Durchschnittstemperaturen der Erde, deren Berechnung selbst gegenwärtig fraglich ist, kann die Wissenschaft keine Erklärungen liefern, so viele Theorien auch aufgestellt werden.

Nun soll nach dem angeblich viel wärmeren Klima im Mittelalter im vergangenen letzten Jahrhundert, in der Zeit der Industrialisierung also, die Temperatur weltweit um 0,7 Grad C gestiegen sein. Sind die Ursachen dafür aus-schließlich und möglicherweise nur deshalb von Menschen gemacht? Muß Minister Gabriel deshalb die Bäckertüte für die Schrippe in das duale System mit dem grünen Punkt einbeziehen und die Bäcker zu Abgaben zwingen, die die Brötchen zusätzlich teurer werden lassen? Reichen reduzierte Ackerflächen und die Verwendung von Nahrungsmitteln als Energielieferanten dafür nicht schon ohnehin mehr als genug aus?

Erdbeben lösen gewaltige Naturkatastrophen aus. Sie kosten vielen Menschen das Leben. Niemand bestreitet ernsthaft, daß die Erschütterungen an der Erdoberfläche einen tiefen Ausgangspunkt haben, sich Erdplatten verschieben und diese Prozesse auslösen. Es gibt sie seit der Entstehung der Erde und nicht erst, seitdem entdeckt wurde, daß furzende Kühe, von denen jede so schädlich wie ein Kleinwagen sein soll, neben Autofahrern und Kohlekraftwerken am Pranger stehen, wenn es um den Klimaschutz geht.

Sicher ist auch, daß solche Katastrophen immer mehr Opfer fordern. Der Tsunami Ende des Jahres 2004 als Folge einer tektonischen Reibung kostete einer Viertelmillion Menschen das Leben. Sind die Katastrophen größer geworden oder sind die Opfer die Folge einer Zunahme der Bevölkerung?

Zu Zeiten um Christi Geburt gab es schätzungsweise 200 bis 400 Millionen Menschen auf unserem Planeten. Rund 1.800 Jahre später waren es eine Milliarde. Für die Verdopplung brauchte es dann nur noch 123 Jahre und danach für jede Verdopplung 33, 14, 13 und 12 Jahre. Gegenwärtig werden rund 6,7 Milliarden Menschen genannt, die unseren Globus bevölkern. Alle wollen leben, wohnen, arbeiten und konsumieren. Da die Erde nicht größer geworden ist, siedeln die Menschen an Stellen, die dafür im Grunde genommen denkbar ungeeignet sind. So werden Standorte an Küsten besiedelt, die zum Einzugsgebiet der Meere und Flüsse gehören.

Hilft dagegen Tempo 130 auf deutschen Autobahnen wie übrigens in der Mehrzahl der Länder bereits üblich? Mit Sicherheit nicht! Aber sollte man deshalb darauf in Deutschland verzichten? Mit Sicherheit ebenfalls nicht, denn vor allem Raser und Drängler verursachen Unfälle mit 600 Verkehrstoten jährlich auf unseren Autobahnen. Nur ob damit Einfluß auf das Wetter zu nehmen ist, ist zu bezweifeln.

Ins Blickfeld rückt nun vor allem der Treibhausgas-Ausstoß nach 2012, wenn das Kyoto- Protokoll ausläuft. Rund um den Globus sollen Einsparpotentiale erschlossen werden. Derzeitig liegen die USA und China in absoluten Mengen ihres Kohlendioxidausstoßes weit vorne. Für die Erwärmung unseres Klimas wird der Treibhauseffekt, vor allem aber derKohlendioxidausstoß verantwortlich gemacht. Eine höchst umstrittene Hypothese. Daß andererseits Maßnahmen notwendig sind, Energie zu sparen, das Abholzen der Regenwälder zu stoppen, die Menschen in den gefährdeten Gebieten weitgehend zu schützen, das alles ist unbestreitbar. Daß Hungersnöte und Trinkwassermangel in das Blickfeld verantwortlicher Politik gehören, ist ein Gebot der Stunde und kann nicht, aufgeschoben auf einen späteren Zeitpunkt, vertagt werden. Jedoch Kreuzzüge ohne exakte wissenschaftliche Grundlagen gegen Wetterveränderungen oder für den Klimaschutz sind fehl am Platze. Zumal Geld in astronomischen Größenordnungen dafür ausgegeben werden soll. Das Klima wird sich davon kaum beeindrucken lassen. Beeindruckt werden wir sein, welche neue Steuer sich die Politik ausdenkt.

Der Klima-Cent ist im Gespräch. Von 11 Milliarden Euro war schon die Rede, die in staatliche Kassen gespült werden und an Konzerne ausgegeben werden könnten, für fragliche Klimaschutzmaßnahmen, aber garantierte Profite für Aktionäre. Mit Sicherheit ist es der falsche Weg, wenn Nahrungsmittel in den Tank statt auf den Teller kommen. Besorgniserregend, wenn sich aus diesen Gründen der Preis für Getreide bereits verdoppelt hat.

Um angeblich das zukünftige Leben der Menschen zu sichern, werden Grundlagen des Lebens, Nahrungsmittel vernichtet. Das ist in meinen Augen mehr als krank. Solche Perversität wird nur noch überboten, wenn mit der Begründung, den Frieden auf der Welt zu sichern, zwei Kriege, die noch nicht beendet sind, begonnen wurden und schamlos erklärt wird, in einem weiteren angeblich kein Mittel aus-schließen zu können und in diesem Zusammenhang verantwortungslos von einem dritten Weltkrieg schwadroniert wird.

Die größte von Menschen gemachte Gefahr für das Klima geht von Kriegen aus. Die Rüstungsproduktion ist die größte Energieverschwendung, die die Menschheit gegenwärtig Politikern noch erlaubt, das jedenfalls ist meine Meinung.

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