Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Bildung statt Rauchverbote

Eine Betrachtung von Gustav - Adolf Schlomann

Die politische Sommerpause ist vorbei, in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern wird in einigen Tagen gewählt. In der Welt ereignete sich unterdes Schreckliches. Im Nahen Osten wurde das Völkerrecht durch das alttestamentarische Prinzip "Auge um Auge, Zahn um Zahn", allerdings im Verhältnis 1:10, ersetzt, und die Weltgemeinschaft war für die vage Beendigung eines zunächst nicht mal als Krieg sondern mir allerlei Umschreibungen bezeichneten Dramas, konnte sich nur nicht einigen, daß dies sofort geschehen müsse, war für den Abzug der israelischen Armee aus dem Libanon, nur nicht ganz und nicht gleich, und unbeeindruckt von Flüchtlingsdramen gewaltigen Ausmaßes wurde die Infrastruktur eines Landes zerstört, welches nach 16 Jahren Bürgerkrieg zwischen rund zwei Dutzend Milizen gegeneinander dabei war, sich zu erholen. Der Konsens zwischen den gewählten Vertretern der 18 Konfessionen des Landes, an dem auch die Hisbolla als größte Partei, die im Parlament vertreten und an der Regierung beteiligt war, hatte den Aufbau Beiruts und des Landes ermöglicht.


Die Vorstellungen von der Installation westlichen Demokratieverständnisses mit Waffengewalt funktionieren weder in Afghanistan noch im Irak. Daran haben Wahlen nichts zu ändern vermocht, wie die täglichen Meldungen über Anschläge und anhaltende Gewalt trotz der Anwesenheit und des Eingreifens mächtigen ausländischen militärischen Potentials auch den ganzen Sommer über belegen.

In Miami scharren rund 700 000 Exil-Kubaner mit den Hufen und sehen ihre Zeit gekommen, wieder heimzukehren. Aber hier hat George W. Bush zu Geduld und Mäßigung mit ihren Besitzansprüchen aufgerufen, zunächst einmal müßte auf Kuba eine neue Regierung gewählt werden, ganz demokratisch natürlich. Vielleicht hat er in Stralsund gelernt, wie man so etwas ganz legal, streng auf gesetzlicher Grundlage macht. „Rückgabe vor Entschädigung“ läßt sich legalisieren und Rückgabe ohne Entschädigung trefflich praktizieren. Solche Erkenntnis wäre allemal eine Dienstreise wert gewesen. Bei alledem wäre in der Urlaubszeit fast untergegangen, daß die Deutsche Luftwaffe endlich über jene moderne neue sündhaft teuer gewordene Waffe verfügt, mit der Terrorismus bekämpft werden kann, während des Kalten Krieges für den heißen Krieg konzipiert, heute für die Bekämpfung von Gepäckstücken ohne erkennbaren Eigentümer und unklaren Inhalts auf Bahnhöfen und in Zügen offensichtlich dringend benötigt.

Der Außenminister Deutschlands Frank-Walter Steinmeier hatte in dieser Zeit ein schweres Amt, unbestritten und nicht zu beneiden. Seine Äußerungen blieben verständlicherweise rar.

Sieht man einmal davon ab, daß die Gesundheitsministerin mit Steuermitteln eine Kampagne bestritt, die sich dagegen richtete, daß die Krankenkassen mit Beitragsmitteln gegen die Gesundheitsreform mobil machten, waren andere Minister doch tatsächlich ernsthaft mit dem Problem befaßt, ob man Jugendlichen unter 18 Jahren das Rauchen verbieten soll, kann und darf. Wenn ja, ob und wie man es durchsetzen, kontrollieren kann und ob Raucher ohne Job bleiben, weil Betriebe befugt sein sollen, Bewerbern mit einem solchen Makel die Einstellung zu verweigern.

Man könnte meinen, es ginge um die Zukunft der jungen Generation, um ihre Perspektive, um die Verantwortung der gegenwärtigen Verantwortungsträger für die Sicherung der Perspektive in Deutschland, wenn bis hin zu Äußerungen des Wirtschaftsministers dazu Meinungen gedruckt worden sind. Wem es um die Zukunft Deutschlands geht, um die nächste Generation, der sollte sich keinen Kopf machen, ob 18jährige rauchen oder nicht, die autofahren und wählen dürfen, aber nicht entscheiden sollen, wie sie mit sich selbst umgehen. Das ist scheinheilig. Wem es um die nächste Generation geht, sollte nicht schlafen können, wenn er den Bildungsstand großer Teile dieser Generation ansieht, deren denkbar schlechte Perspektiven im Berufsleben Dank eines Bildungswesens, das viele seine Kinder ohne Perspektiven am Arbeitsmarkt nach der Schule in die Arbeitslosigkeit entläßt.

Weder für den Rest der Welt noch für Deutschlands zukünftige Rolle in der Welt ist von Interesse, ob unter 18jährige rauchen oder nicht, sondern mit welchem Bildungsstand die nächste Generation den „Staffelstab“ übernehmen kann. In dieser Verantwortung steht die gegenwärtige Generation der Politiker, und sie kann dieser Verantwortung entweder gerecht werden oder sich unreparabel schwer versündigen. So wie bislang kann und darf es nicht weiter gehen. Die Zahl einfacher Industriearbeitsplätze ist seit Mitte der 70er Jahre rückläufig. Automatisierung und Optimierung lassen auch den Personalbedarf in den Verwaltungen, vor allem der Industrie schrumpfen. Studien sagen, daß zwei Drittel solcher Arbeitsplätze in deutschen Großunternehmen in den kommenden Jahren wegfallen werden.

Das „sexy“ Berlin verlor 2005 17. 000 sozialversicherungspflichtige Stellen. Seit 1999 sank deren Gesamtzahl um knapp 10 Prozent. Nur wer qualifiziert ist, hat Chancen auf dem Arbeitsmarkt, je höher, desto besser, aber immer noch ohne Garantie. Das wird auch künftig so bleiben, sich eher noch verschärfen. Jedoch verfügen fast ein Viertel aller Schüler eines Jahrgangs nicht über die Mindestqualifikation, um eine Berufsausbildung zu absolvieren. Acht bis neun Prozent aller Schüler verlassen die allgemeinbildenden Schulen ohne Abschluß. 2004 haben 23 Prozent der Schüler an den Berufsschulen keinen Abschluß geschafft.

In keiner anderen vergleichbaren Industrienation ist der Anteil an "Risikoschülern" so hoch wie in Deutschland. Zu solchen Ergebnissen kommt in aktuellen Studien das Institut der deutschen Wirtschaft Köln im August 2006, die Politik wird sich solche Zeugnisse ihrer Politik kaum ausstellen. Daß Schüler Klassen wiederholen, in der Zahl der Sitzenbleiber ist Deutschland im internationalen Vergleich absoluter Spitzenreiter, Weltmeister sozusagen, die Schulen ohne Abschluß verlassen und mit wenig Erfolg nachqualifiziert werden, kostet bis dahin bereits gut 7 Milliarden Euro. Wieviel mehr kosten sie, wenn sie dann auf den Fluren der Agenturen für Arbeit landen, jedoch zu den 22,3 Prozent der 15 jährigen Schülern gehören, die bereits 2003 in der internationalen Bildungsvergleichsstudie einen Lesetest nicht oder nur so schlecht verstanden haben, daß sie gelesene Texte nicht wiedergeben konnten.

Schon heute ist der Nachwuchsmangel für den Innovationsstandort Deutschland an qualifizierten Kräften gravierend. Von 1000 Bundesbürgern im Alter zwischen 20 und 29 Jahren hatten 2003 nur etwas mehr als acht einen natur- oder ingenieurwissenschaftlichen Hochschulabschluß. In den USA waren es vergleichsweise 11, in Irland 24, in Frankreich 22, in Großbritannien 21.

Jugendliche aus Haushalten, in denen nicht deutsch gesprochen wird, haben es besonders schwer, auch das Bildungsniveau der Eltern hat Auswirkungen, die nicht ohne Einfluss sind. Wer nicht im Kindergarten war, hat es in der Schule zunächst nachweislich schwerer. Deshalb würde Deutschland Kindergärten gebrauchen, für die bundeseinheitliche Standards regeln, mit welchem Wissensstand Kinder in die Schule übergeben werden. Nicht am Geld darf der Besuch scheitern, wenigstens das letzte Jahr sollte für die Eltern kostenlos sein.

In Ganztagsschulen könnte Hilfe und Unterstützung gegeben werden, an denen es zu Hause aus den unterschiedlichen Gründen mangelt. Gezielte Förderung in der Schule ist geboten, Sozialpädagogen und Psychologen empfiehlt das Institut der deutschen Wirtschaft, schneller Schlußfolgerungen aus der Misere und solchen Ereignissen wie denen an der Berliner Rütli- Schule ziehend, als es die Politik bislang vermochte, die parteipolitische Grabenkämpfe auf Nebenschauplätzen ausficht, als sich um das zu kümmern, was dringend erforderlich ist.

Wer genug "Grütze" im Kopf hat, raucht nicht oder hört beizeiten wieder auf, wenn der Verstand zu - und die jugendliche Geltungssucht abnimmt, das jedenfalls ist meine Meinung.

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