Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Umweltschutz in Kleingärten

Das Essener Modell der Abwasserentsorgung

Der Stellenwert des Kleingartenwesens im Rahmen der ortsnahen preisgünstigen Freizeitgestaltung, insbesondere in Ballungsräumen, ist unstrittig. In Essen sind es 8.500 Kleingärten, die im Stadtverband organisiert sind, d.h. ca. 30.000 Bürger, die in Mietwohnungen zu Hause sind.

Das Kleingartenwesen hat sich nach dem Zweiten Weltkrieg sprunghaft entwickelt. Aus den, zunächst überwiegenden Nutzgärten entwickelten sich in den letzten zwei Jahrzehnten kombinierte Freizeit- und Nutzgärten. Vom Gesetzgeber übrigens 1984 im Bundeskleingartengesetz toleriert.

Der Grundgedanke des Essener Modells ist: Der Kleingärtner hat einen Anspruch auf einen menschenwürdigen Freizeitaufenthalt in seinem Garten. Dies darf natürlich nicht auf Kosten der Natur gehen, denn gerade die Kleingärtner haben einen besonderen Bezug zur Natur. Eigene höhere Lebensqualität darf auch nicht auf Kosten der Gemeinschaft gehen. Sie ist selbst zu finanzieren.

Beschreibung des Modells

- Auf dem Kleingartengelände wird ein Sammler gebaut (wasserdichte Grube oder Großbehälter).

- Von diesem Sammler wird ein Kanalanschluß an das öffentliche Kanalnetz verlegt. Dieses Teilstück der Anlage ist genehmigungspflichtig- und nach dem Gesetz auch genehmigungsfähig. Diese Arbeiten müssen von einem konzessionierten Unternehmen durchgeführt werden.

- Vom Sammler in die Kleingartenanlage hinein wird ein internes privates Rohrnetz unter der Aufsicht eines Fachmannes verlegt. Es wird nach vorherigen Beratungen durch die verbandseigene Beratungskommission (ein Berater, ein Vermesser und ein Tiefbauer) nach exakten Rohrleitungsplänen verlegt. Diese Kommission arbeitet ehrenamtlich (nur Erstattung der Kosten).

Der Sammler hat im System „Essener Modell“ eine zentrale Bedeutung. Niemand kann sagen, daß eine Kleingartenlaube damit direkt an die Kanalisation angeschlossen ist. 

Verbandsinterne Vorbereitung

In einer Mitgliederversammlung wird den Pächtern die Situation erläutert und dann abgestimmt. Es wird also nicht von oben verordnet Die Mitglieder können sich dafür oder dagegen entscheiden, Entscheiden sie sich dafür, kann das Verfahren weitergeführt werden. Entscheiden sie sich mehrheitlich dagegen, dann werden sie darüber aufgeklärt, daß sie auf ihrer Parzelle Strom gar nicht und Wasser nur zum Gießen nutzen dürfen. Letzteres ist bei 243 Anlagen und bisher 97 realisierten Objekten nur einmal vorgekommen. In der Zwischenzeit hat sich auch dieser Verein dem Essener Modell angeschlossen.

Technische Entscheidung

Wird mehrheitlich zugestimmt, dann werden die technischen Möglichkeiten diskutiert, denn diese sind abhängig von der topographischen Lage der Kleingartenanlage, der Entfernung zum Kanalnetz, der Anzahl der Kleingärten usw. 

Es kann folgende Fälle, unter Berücksichtigung, daß Wasser immer bergab läuft, geben: 

a) Sammeln und. direkt in das Kanalnetz der Gemeinde überleiten

b) Sammeln im Sammler und regelmäßig abpumpen, da kein öffentliches Kanalnetz vorhanden ist

c) Sammeln im Sammler und wieder durch die Anlage in das öffentliche Netz zurück pumpen, wenn dieses oberhalb einer Anlage verläuft. Manchmal kreuzt sogar das öffentliche Kanalnetz eine Anlage. Dort ist es natürlich am einfachsten

d) Es kommt aber auch zu Kombinationen dieser Einzellösungen 

Kosten

Die Kosten werden von der technischen Ausführung und von der Anzahl der Kleingärtner, die angeschlossen werden, bestimmt. Bisher liegen die tatsächlichen Kosten je Kleingärtner bei 100 Euro bis 1.000 Euro. Die statistische Mitte beträgt 430 Euro. Es gibt, keine Zuschüsse für diese 100prozentige Entsorgung. Würden wir nur 50prozentig entsorgen und damit die Natur betrügen, erhielten wir Zuschüsse vom Land NRW. Der Stadtverband kann nur geringe Zuschüsse bei finanzschwachen Vereinen und ungünstigen Voraussetzungen geben.

Der Verband leistet aber einen erheblichen Sparbeitrag durch a) Zentraleinkauf der Materialien und b) kostengünstige Vermessung, Planung, Antragstellung usw.

Schlußbemerkung:

Politiker fordern gerade in der heutigen Zeit den bewußten Bürger, der sich selbst an die Hand nimmt und nicht zuerst nach dem Staat ruft. Wir Essener Kleingärtner stellen uns diesem Zeitgeist. Das einzige, was wir aber fordern, ist Toleranz für den Menschen, für den Kleingärtner, der heute lebt. Essens Kleingärtner wollen, daß Politiker sich für die Menschen entscheiden und nicht für nicht mehr zeitgemäße Paragraphen.

Dipl.-Ing. Heinz Schuster, Vorsitzender des Stadtverbandes Essen der Kleingärtnervereine e.V.

 

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