Verband Deutscher Grundstücksnutzer

Eigenheimer zeigten Flagge

Starke Präsenz beim „Tag der offenen Tür“ in Berlins Abgeordnetenhaus

Nicht zum ersten Mal gab es im Berliner Abgeordnetenhaus einen „Tag der offenen Tür“. Doch diesmal sah er ein wenig anders aus als von den Veranstaltern gedacht. Denn unter den zahlreichen Besuchern gaben sich viele als Berliner VMEG-Mitglieder zu erkennen, die an diesem 13. Mai 2006, einem sonnigen Sonnabend, aus einem ganz besonderen Grund in die Mitte der Hauptstadt gekommen waren. Sie trugen einen kreisrunden Anstecker, der auf ihr Problem als Eigenheimer hinwies, deren Grundstücke nicht mehr an das Berliner Kanalisationsnetz abgeschlossen werden sollen – mit der Folge, daß die Abwässer zu hohen Preisen abgefahren werden müssen. Denn auch der Bau von modernen Kleinkläranlagen wird den Betroffenen ohne nachvollziehbare Begründung verwehrt.

Aus dem Berliner Stadtteil Blankenburg waren zum Beispiel Evelin Müller-Guthof und Günter Schwarz (auf unserem Foto) mit ihrem Tandem bis in die Niederkirchnerstraße geradelt, wo ansonsten die Berliner Parlamentarier im e

hemaligen Preußischen Herrenhaus das Wahlvolk vertreten. Aufgebracht berichtete das Paar von den Erlebnissen des Vorabends, als an jenem Freitag noch gegen 21.15 Uhr ein Güllefahrzeug in der Nachbarschaft die Grube abpumpte. Wenn die Entsorgungsfahrzeuge im Gebiet seien, herrsche manchmal mehr Lärm als am Flughafen Tegel, sagte Günter Schwarz. Und zu Lärm, Gestank und hohen Kosten käme auch noch der Umstand, daß die Straßen des Wohngebietes von den ständig dort verkehrenden LKW stark in Mitleidenschaft gezogen würden. Mit dem neuen Straßenausbaubeitragsgesetz in Berlin blieben auch die Kosten dafür letztlich bei den Eigenheimern hängen.

Bei einer Diskussion im Plenarsaal des Abgeordnetenhauses mit Vertretern der verschiedenen Fraktionen und dem Parlamentspräsidenten Walter Momper (SPD) gaben sich die freimütig ihre Ansichten vertretenden Eigenheimer ebenso zu erkennen und brachten der Runde auch ihre Probleme zur Kenntnis. Gar nicht amüsiert zeigten sich die VMEG-Mitglieder darüber, daß die Berliner Regierungsparteien das Thema Kanalisationsanschluß bis auf einen Termin nach der Wahl zum Abgeordnetenhaus im Herbst auf die lange Bank schieben wollten.

Den Bediensteten des Abgeordnetenhauses war an diesem Tag offensichtlich besondere Obacht gegenüber den aufmüpfigen Eigenheimern anempfohlen worden, die teilweise in wilhelminischer Schutzmannmanier zum Ausdruck kam. So sprach einer der Aufsichtshabenden drei miteinander Diskutierende mit der Aufforderung an: „Ich bitte Sie, solche Gespräche draußen vor der Tür zu führen.“ Auf Gegenfragen ob nicht soeben ein „Tag der offenen Tür“ stattfinde und das Parlamentsgebäude nicht üblicherweise ein Ort politischer Diskussionen sei, mochte der gute Mann dann nichts mehr erwidern außer: „Ich wollte es Ihnen nur gesagt haben.“

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