Verband Deutscher Grundstücksnutzer

21.08.2015

Sulfat-Alarm in der Spree: Politik muss sofort reagieren

VDGN fordert von den Umweltressorts in Berlin und Brandenburg unverzügliches Handeln nach dem Verursacherprinzip / Verbraucher darf nicht die Zeche zahlen

Der Verband Deutscher Grundstücksnutzer (VDGN) schlägt Alarm. Der Braunkohle-Abbau in der Lausitz hat die Sulfatwerte in der Spree während der vergangenen Monate noch einmal drastisch ansteigen lassen. Das Trinkwasser rund um Frankfurt (Oder) ist bereits akut gefährdet. Schon im Herbst wird dort möglicherweise der zulässige Sulfat-Grenzwert überschritten. Die Gesundheit der Menschen steht auf dem Spiel und bald könnte neben Brandenburg auch Berlin betroffen sein.

Ernst der Lage noch nicht erkannt

Der VDGN hat sich deshalb jetzt mit der Forderung nach unverzüglichen Gegenmaßnahmen an Brandenburgs Umweltminister Jörg Vogelsänger und Berlins Umweltsenator Andreas Geisel (beide SPD) gewandt. Auch das Bundesumweltministerium wurde eingeschaltet. „Der Anstieg der Sulfat-Werte und die damit verbundene Gefährdung des Trinkwasser sind seit vielen Jahren bekannt, doch immer noch wird der Ernst der Lage anscheinend nicht im vollen Umfang erkannt“, betont VDGN-Präsident Peter Ohm in Briefen an die beiden Ressortchefs in Berlin und Brandenburg.

Bereits im Herbst Trinkwasserversorgung im Raum Frankfurt (Oder) gefährdet

Bereits für den Herbst stellt sich die Frankfurter Wasser- und Abwassergesellschaft (FWA) auf eine Überschreitung des Grenzwertes für Sulfat im Trinkwasser von 250 Milligramm pro Liter ein. Damit ist die Versorgung von 65.000 Menschen gefährdet. „Angesichts dessen ist es noch viel zu kurz gegriffen, wenn Berlin und Brandenburg jetzt erst für den November einen Krisengipfel der Staatssekretäre ankündigen und bis zum Jahresende einen Maßnahme-Katalog gegen erhöhte Sulfat-Werte aufstellen wollen“, so Ohm.

Kosten in Millionenhöhe nicht auf Verbraucher abwälzen

Zudem dürfen nach Auffassung des VDGN mögliche Zusatzkosten in Millionenhöhe für die Trinkwasseraufbereitung auf keinen Fall auf die Verbraucher abgewälzt werden. Die Kosten seien allein vom Verursacher zu tragen. „Der Energiekonzern Vattenfall als Betreiber der Tagebaue und die für die Sanierung zuständige bundeseigene Bergbau-Verwaltungs-Gesellschaft LMBV haben dafür Sorge zu tragen, dass keine Sulfate mehr in die Spree gelangen“, so Ohm. Gelinge das nicht, müssten sie nach dem Verursacherprinzip auch die Folgekosten für die Umrüstung der Wasserwerke und der entsprechenden Infrastruktur tragen.

Laut Berliner Wasserbetriebe würde eine technische Lösung des Sulfat-Problems allein im Wasserwerk Friedrichshagen etwa 30 Millionen Euro kosten und den dort geförderten Kubikmeter Trinkwasser zwischen 20 und 50 Cent teurer machen. Im Raum Frankfurt (Oder) gibt es laut einem RBB-Bericht bereits konkrete Pläne, weniger Spreewasser und mehr Grundwasser aus dem derzeit stillliegenden Wasserwerk Müllrose zu nutzen. Allein diese Maßnahme würde mehr als sechs Millionen Euro kosten. „Es muss verhindert werden, daß diese aus der erhöhten Sulfatbelastung der Spree resultierenden Kosten letztlich auf den Trinkwasserpreis umgelegt werden“, so Ohm. Nach der Erhebung von Altanschließerbeiträgen in Brandenburg dürfe es jetzt keine weitere Kostenexplosion bei den Gebühren geben.

Folgen auch für Grundwasserstand

Nicht zuletzt gibt es auch die Befürchtung, dass das Wasserwerk in Berlin-Friedrichshagen geschlossen werden muss, wenn Vattenfall nicht grundsätzlich gegensteuert. „Dadurch würde sich die ohnehin in Berlin schon akuten Probleme mit steigendem Grundwasser weiter verschärfen“, erklärt Ohm. Der VDGN geht davon aus, dass es in Berlin bereits mehr als 1200 öffentliche Gebäude und mehrere Tausend private Häuser gibt, die durch den hohen Grundwasserstand erheblich beschädigt wurden.

Mehrfach hatte der VDGN in der Vergangenheit bereits auf die steigende Sulfatbelastung des Trinkwassers hingewiesen, erst kürzlich in einer Stellungnahme zur Wasserrahmenrichtlinie bzw. zum Entwurf des Bewirtschaftungsplans für den Zeitraum 2016 bis 2021 vom 17. Juni 2015. Bisher wurde jedoch nicht mit dem nötigen Nachdruck auf unsere Hinweise reagiert“, so Ohm. Auch aus einer Anhörung im Berliner Abgeordnetenhaus seien nicht die notwendigen Schlüsse gezogen worden.

Bei Überschreitung des Grenzwertes von 250 Milligramm pro Liter Trinkwasser kann Sulfat vor allem bei Kleinkindern, kranken und alten Menschen zu Durchfall und Erbrechen führen. Bei gesunden Menschen wird allgemein mit einer abführenden Wirkung ab 500 Milligramm pro Liter gerechnet. Sulfatreiches Wasser befördert zudem die Korrosion von Leitungen und Beton.