Verband Deutscher Grundstücksnutzer

05.01.2011

Gemeinwohl von Gewinnstreben überrollt

Senatorin Junge-Reyer sieht Lösung des Berliner S-Bahn-Problems in weiterer Privatisierung

Noch immer müssen Tausende Berliner lange Wartezeiten auf S-Bahnhöfen in Kauf nehmen, weil die S-Bahn nicht einmal die Hälfte der für einen normalen Betrieb notwendigen 1124 Wagen auf die Schiene bringt. Und die Politik ruft hilflos nach Konkurrenzanbietern, was am Ende nur einmal mehr eine Privatisierung des Öffentlichen Nahverkehrs bedeutet. Dazu erklärt Peter Ohm, Präsident des Verbandes Deutscher Grundstücksnutzer (VDGN):

Wie realitätsfern sind eigentlich inzwischen manche Politiker. Da fordert Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer eine weitere Privatisierung beim Öffentlich Personennahverkehr, der S-Bahn. Aber gerade die von der Politik betriebene Privatisierung bei der Konzernmutter Deutsche Bahn hat doch den Dienstleister an den Rand des Kollapses getrieben. Über Jahre stand nicht das Gemeinwohl im Vordergrund sondern einzig eine immer höhere Gewinnmarge. Nach Angaben des S-Bahn-Betriebsrates sind seit 2006 über 1000 Arbeitsplätze den Gewinnforderungen zum Opfer gefallen. Davon allein über 300 in der Instandhaltung. Und der Senat hat über Jahre tatenlos zugesehen. Denn spätestens nach den Pannen im vergangenen Winter hätte die Katastrophe in diesem Jahr wohl voraus gesehen werden können. Wer so fahrlässig über Jahre Teile der notwendigen Infrastruktur einer Metropole auf Spiel setzt, der sollte sich fragen lassen, ob er die mit dem Posten verbundene Verantwortung für die Bürger und die Stadt noch ehrlichen Herzens wahrnehmen kann. Hier zeigt sich deutlich: Die Gewinnforderungen haben die Interessen der Bürger überrollt.