Verband Deutscher Grundstücksnutzer

12.07.2012

Wasser von unten bedroht Berliner Eigenheimer

Steigendes Grundwasser läßt viele Keller vollaufen. VDGN fordert von der Politik, die Verwaltung endlich zum Handeln zu zwingen

„Grundsätzlich ist der Bauherr für seinen trockenen Keller verantwortlich und nicht der Staat oder jemand anders.“ – Diese kaltschnäuzig-abweisende Antwort gab Alexander Limberg aus der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt am 15. März 2012 auf eine Anfrage aus dem VDGN. Es ging dabei um steigende Grundwasserstände, die in immer mehr Eigenheimen und anderen Bauten zu vollaufenden Kellern führen. 

In der  Behörden-Antwort drückt sich eine Haltung aus, die lange Zeit in der Verwaltung die maßgebende war. Man sammelte zwar alle möglichen Daten über die Entwicklung der Grundwasserstände, sah sich aber für die konkreten Probleme der Hausbesitzer als nicht zuständig an. Zwar gab es Aufträge des Landesparlaments, sich des Problems anzunehmen. Und es wurde sogar eine Grundwassersteuerungsverordnung geschaffen. Doch geändert hat sich nichts. Mit der neuen Regierungskoalition von SPD und CDU ist immerhin neue Hoffnung entstanden. Die hat – gerade auch auf Druck des VDGN – in ihrer Koalitionsvereinbarung festgelegt, Ziel sei es „siedlungsverträgliche Grundwasserstände für Gebäude zu erreichen“. Man werde einen „Runden Tisch Grundwasser“ einrichten, „um für betroffene Gebiete in Abstimmung mit den Hauseigentümern, den Berliner Wasserbetrieben und dem Senat zu effizienten Maßnahmen zur Erreichung von siedlungsverträglichen Grundwasserständen zu kommen“.

Das ist auch dringend nötig. Die Tatsachen werden nämlich von niemandem bestritten: Seit der „Wende“ ist in Berlin die Wasserförderung erheblich gesunken – von 378 Millionen Kubikmeter im Jahr 1989 auf 202 Millionen Kubikmeter im Jahr 2011. Dadurch stieg das Grundwasser in weiten Teilen der Hauptstadt, nämlich jenen, die im sogenannten Berliner Urstromtal liegen, um mehr als 50 Zentimeter an. In der Nähe inzwischen stillgelegter Wasserwerke beträgt der Anstieg sogar mehr als einen Meter.

Wer früher als Eigenheimer in dieser Regionen nicht vom Problem nasser Keller wußte, sieht sich seit einiger Zeit einer katastrophalen Veränderung ausgesetzt: Das Wasser drückt und drückt.  Auch Industriebetriebe sind betroffen. So fördert Siemens auf eigene Kosten Wasser im stillgelegten Wasserwerk Jungfernheide, um den Pegel zu senken. Und auch Wohnungsunternehmen entstehen hohe Aufwendungen, um ihre Gebäude vor dem Grundwasser zu sichern. Um Schäden an 6000 Wohnungen und deren Kellern zu beseitigen wurden nach Angaben des Verbands Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen seit 2006 mehr als acht Millionen Euro ausgegeben. Richtig in der Öffentlichkeit kam das Thema an, als bekannt wurde, daß für die Beseitigung der Grundwasserschäden am Haus des Bundesrates im Zentrum Berlins über 24 Millionen Euro eingeplant werden müssen.

In der Tendenz nimmt die Zahl der Betroffenen auch unter den Eigenheimern zu. So räumt selbst Alexander Limberg von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ein: „Es ist nicht ausgeschlossen, daß das Grundwasser aufgrund eventueller klimatischer Änderungen und/oder auch durch einen weiteren Rückgang des Trinkwasserbedarfs langfristig noch weiter ansteigen kann.“

Der „Rückgang des Trinkwasserbedarfs“  hat mehrere Gründe. Zum einen resultiert er aus der Deindustrialisierung Berlins, vor allem seines Ostteils, seit 1990. Zum anderen spiegelt sich darin auch der abnehmende Verbrauch privater Haushalte wider. Und das liegt nicht nur an dem inzwischen geringeren Wasserverbrauch von Waschmaschinen und Geschirrspülern, sondern vor allem auch am Zwang zum Sparen in den Haushalten. Denn seit der Teilprivatisierung der Berliner Wasserbetriebe mit ihrer Renditegarantie für die beteiligten Großkonzerne ist der Preis für das Trinkwasser in der Hauptstadt um mehr als ein Drittel gestiegen. Deshalb läßt der VDGN nicht nach in seinem Kampf, den Wasserpreis in Berlin zu senken. Diesem Ziel diente der Volksentscheid zur Offenlegung der Geheimverträge zur Teilprivatisierung der Wasserbetriebe, an dessen Erfolg der VDGN maßgeblich beteiligt war. Diesem Ziel dienen auch zwei Klagen, die der VDGN auf den Weg brachte, nachdem das Bundeskartellamt festgestellt hatte: Der Berliner Wasserpreis ist um 21 Prozent zu hoch.

 Bereits im Jahr 2011 hatte sich der VDGN gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer sowie anderen Verbänden an die Politik gewandt und aktive Maßnahmen für siedlungsverträgliche Grundwasserstände gefordert. Neben der Senkung des Wasserpreises gehört dazu auch die aktive Regulierung der

Grundwasserstände durch Baumaßnahmen, Brunnen und Staustufen. Gebäudeeigentümer, so die Forderung des VDGN,  müssen bei der Beseitigung von Schäden und bei der Prävention vor hohem Grundwasser aktiv unterstützt werden. Der Staat muß aktiv werden und handeln.