Verband Deutscher Grundstücksnutzer

05.07.2012

Vollständiger und wirksamer Schallschutz unabdingbar

Berlin-Schönefeld: Auflagen müssen vor Inbetriebnahme des Flughafens realisiert werden

Das Mißmanagement des BER-Flughafenbetreibers beim Brandschutz hat den Eigentümern des Stadtflughafens Berlin-Brandenburg eine zweite Chance eröffnet. Es ist Zeit gewonnen, um eklatante Versäumnisse, insbesondere beim Gesundheitsschutz der Menschen der Region Berlin-Brandenburg nachhaltig zu korrigieren. In der Planfeststellung ist zwischen dem öffentlichen Interesse an Flugverkehr und dem Interesse der Anwohner an Lärm- und Gesundheitsschutz zugunsten des öffentlichen Interesses abgewogen worden. Es sind  unabdingbar einzuhaltende Festlegungen zum Lärmschutz getroffen worden, die als Auflage für den Flughafenbetreiber vor der BER-Inbetriebnahme zu realisieren sind. Die Flughafeneigner, die Länder Berlin und Brandenburg sowie die Bundesrepublik Deutschland erhalten in der jetzigen Situation die zusätzliche Gelegenheit, als obligatorischen Teil des aktiven Schallschutzes ein tägliches absolutes achtstündiges Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr (einzige Ausnahme: Notfälle) anzuordnen und einen gesundheitswirksamen passiven Schallschutz mit folgenden Parametern und Elementen zu realisieren:

- Gewährleistung eines maximalen Innenschallpegels am Tag von 55dB(A) ohne Überschreitung im Umfeld des Stadtflughafens Berlin-Schönefeld in Wohnräumen, Kinderzimmern und kombinierten Wohn- und Schlafzimmern, entsprechend des Planfeststellungsbeschlusses 2004. Als zusätzliche Maßnahme, die der Lage des Flughafens innerhalb von Siedlungsgebieten geschuldet ist, ist in Schlafräumen ein Dauerschallpegel von 30 dB(A) – nach der Berliner Lärmaktionsplanung – der zu keinem Zeitpunkt überschritten werden darf, zu gewährleisten. 

- Behördliche Projektsteuerung der Planung und Realisierung des gesamten Schall-schutzprogramms

- Aufnahme der zu schützenden Bausubstanz durch unabhängige Bausachverständige

- DIN- und ENEV-gerechte Realisierung der erforderlichen Schallschutzmaßnahmen einschließlich der Erstellung und Umsetzung geeigneter Belüftungskonzepte durch zertifizierte Fachfirmen

- Abnahme der Schallschutzmaßnahmen, Abschlußkontrolle und -messung des tatsächlichen Eintritts des angestrebten Schallschutzeffektes durch unabhängige Bausach-verständige, erforderlichenfalls mit der Auflage zur Nachbesserung. Nachholen dieser Abschlußkontrolle und -messung bei sämtlichen bislang realisierten Schallschutzmaßnahmen.

- Die erforderlichen Schallschutzmaßnahmen unterliegen keiner finanziellen Begrenzung. Überschreiten sie den im Planfeststellungsbeschluß festgelegten Prozentsatz des Verkehrswertes der Immobilie ist den Eigentümern eine angemessene Entschädigung und die Absiedlung anzubieten. Letzteres gilt auch für Gebäude, bei denen der erforderliche Schallschutz aus bauphysikalischen Gründen nicht realisiert werden kann.

- Der Flughafenbetreiber ist für die Dauer des Betriebes des Stadtflughafens in Berlin-Schönefeld rechtlich bindend zu verpflichten, im Umfeld des Flughafens jederzeit den notwendigen gesundheitswirksamen Schallschutz in Wohn- und Schlafräumen zu gewährleisten und für Mängel zu haften.

- Der VDGN fordert die Flughafeneigentümer und deren politische Vertreter mit der gebotenen Dringlichkeit auf, diese Chance mit Verantwortung, Ernsthaftigkeit und Energie zu nutzen, den Schallschutz zur Chefsache zu machen. Es könnte sonst passieren, daß die Flughafeneröffnung noch ein weiteres Mal verschoben werden muß!

Peter Ohm, Dr. Klaus-Joachim Henkel,Prof. Dr. Ulrich Geske