Verband Deutscher Grundstücksnutzer

19.11.2015

Kein Lärmschutz à la Flughafengesellschaft

Volles Haus bei Info-Veranstaltung von VDGN und BVBB über Schallschutz und geplante Klagen

Lärmschutz am Flughafen Schönefeld á la FBB – so nicht! Unter dieser Überschrift hatten der VDGN und BVBB am Mittwoch, dem 18. November 2015, zur  gemeinsamen Informationsveranstaltung nach Blankenfelde-Mahlow eingeladen. Der Andrang war ähnlich groß wie bei vorangegangenen Veranstaltungen in den Nachbargemeinden. Weit über 200 betroffene BER-Anwohner kamen auf der Suche nach Rat und Hilfe in die Aula der Astrid-Lindgren-Grundschule.

Ein neuer Eröffnungstermin des BER rückt näher, aber in fast allen dem VDGN und dem BVBB bekannten Fällen verfügen die betroffenen Anwohner noch nicht über akzeptablen Lärmschutz. Ein überraschend großer Teil der zur Veranstaltung erschienenen Fluglärm-Betroffenen hat noch nicht einmal die sogenannte Anspruchsermittlung (ASE) von der FBB erhalten, wie eine Blitzumfrage ergab. „Der Flughafen schreibt ja, daß 70 Prozent der ASE bereits verschickt worden seien. Zumindest hier sieht es noch völlig anders aus", stellte BVBB-Vorsitzende Christine Dorn fest. „Wir hatten eigentlich gehofft, dass wir die Schallschutz-Probleme mit dem Flughafen auf fachlicher Ebene lösen können", sagte Dorn. Das sei jedoch leider nicht möglich gewesen. Deshalb sei man nun gezwungen, Klagen auf den Weg zu bringen, die solidarisch von vielen Betroffenen finanziert werden sollen.

VDGN-Präsident Peter Ohm rief die Flughafen-Anwohner deshalb dazu auf, geplante Klagen des Verbandes gegen die FBB finanziell mit jeweils 150 Euro zu unterstützen. Die Kosten für die Verfahren werden insgesamt etwa 50.000 Euro betragen.​ Noch wurde diese Summe nicht erreicht, obwohl bereits sehr viele Spenden eingegangen sind. Vorgesehen sind vorerst vier Klagen gegen die von der FBB vorgesehene Dämmung von Wänden und Decken an der Rauminnenseite, gegen das Versagen von Schallschutz für Wohnräume und Wohnküchen, die kleiner als 10 Quadratmeter sind, gegen das Versagen von Schallschutz wegen angeblich zu niedriger Raumhöhen sowie gegen die Ablehnung von Schallschutz für Wintergärten, die als Wohnfläche dienen. Die Klageverfahren soll die Rechtsanwältin Franziska Heß von der Leipziger Kanzlei Baumann führen, die unter anderem bereits 2013 einen Prozeß vor dem Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg gegen die FBB gewonnen hat, als es um die systematische Verletzung der im Planfeststellungsbeschluss festgelegten Schallschutzziele ging.

Laut einem vom Land Brandenburg in Auftrag gegebenen Gutachten enthalten die Anspruchsermittlungen im Durchschnitt drei Fehler. Darauf macht VDGN-Schallschutzexperte Prof. Ulrich Geske aufmerksam. Er warnte davor, die Anspruchsermittlungen unbedacht zu unterschreiben. „Die Flughafengesellschaft wertet die Unterschrift als Anerkennung der Gültigkeit“, sagte er. Für die meisten BER-Anwohner seien die in der ASE vorgeschriebenen Schallschutzmaßnahmen jedoch völlig inakzeptabel.

Zum PowerPoint-Vortrag von Prof. Ulrich Geske, Schallschutzexperte des VDGN

Über den neuen Krach um den Lärmschutz schreibt Thorsten Metzner im Tagesspiegel am 23. November.

Über die Veranstaltung in Blankenfelde-Mahlow berichteten RBB-Reporter Tim Jaeger in der Abendschau am 18. November und die MAZ am 20. November.

Die vorangegangene Zusammenkunft mit Fluglärmbetroffenen in Berlin-Bohnsdorf und die Sorgen von Einwohnern waren Thema eines Beitrags von Thomas Rautenberg im RBB-Inforadio.

Formulare für die Klagebeteiligung können auf dieser Seite heruntergeladen oder beim VDGN (info@vdgn.de) bestellt werden.

» Zum Formular für die Klagebeteiligung

Individuelle Schallschutzberatungen bietet der VDGN für seine Mitglieder in seinem Beratungszentrum in der Berliner Annenallee 7-9 sowie in Mahlow an. Um Anmeldung unter der Telefonnummer 030 514 888 210 wird gebeten.