Verband Deutscher Grundstücksnutzer

23.03.2011

Jetzt wird es eng für Fluglärm-Schutz

Schallschutzprogramm für BBI bekommt offensichtlich zeitliche Probleme

Nach bisherigen Angaben, bearbeitet der BBI Schönefeld derzeit erst 15.730 Anträge von Anwohnern zum Schallschutz ihrer Häuser. Damit sind gut einJahr vor der geplanten Eröffnung des BBI noch rund 10.000 Anträge der bisher als berechtigt eingeschätzten 25.500 Häuser offen. Völlig unberücksichtig bleiben dabei die durch die neuen Flugrouten neu Betroffenen, deren Zahl sich nach jetziger Sicht mindestens verdoppeln würde. Peter Ohm, Präsident des Verbandes Deutscher Grundstücksnutzer (VDGN), stellt dazu fest:

Und jetzt sollen wieder die Bürger daran Schuld sein. Denn in einem internen Schreiben der Senatskanzlei wirft der Berlins Regierender Bürgermeister, Klaus Wowereit, gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafengesellschaft, den Anwohnern vor, sie würden durch „nur zögerliche Rücksendung der erforderlichen Unterlagen“ die Realisierung der Schallschutzmaßnahmen verzögern. Dieser Versuch, den Schwarzen Peter den Bürgern zuzuschieben, ist nur allzu durchsichtig. Denn wesentliche Verzögerungen verantworten allein Flughafen und Politik. Nach einer internen Analyse eines Ingenieurbüros im Auftrage des Stadtbezirkes Treptow-Köpenick hatten bei 80 von 121 Anträgen beauftragte Mitarbeiter der Flughafengesellschaft schlampig gearbeitet und die Angaben von Betroffenen schlichtweg falsch aufgenommen. Wer da keinen Widerspruch einlegt, hat sein Recht auf ordentlichen Schallschutz verwirkt.

Noch ungeheuerlicher ist, daß die Flughafengesellschaft ganze fünf Jahre verstreichen ließ, ehe sie überhaupt mit Schallschutzmaßnahmen für Anwohner begann. Denn mit der Erteilung der Baugenehmigung für BBI im August 2004 waren bereits auch Flugrouten und damit die Tagschutzgebiete klar definiert. Aber erst nach dem Ergänzungsbeschluß vom Oktober 2009 wurde die Flughafengesellschaft beim Schallschutz erstmals aktiv. Da hat wohl der Aufsichtsratsvorsitzende Wowereit seine Aufsichtspflicht gröblich vernachlässigt. Mit bitterem Nachgeschmack werden sich dann jene Anwohner, die den vollen Fluglärm abbekommen, daran erinnern, daß Wowereit jüngst das Bundesverdienstkreuz für „herausragende Dienste für das Gemeinwohl“ angehängt bekommen hat.