Verband Deutscher Grundstücksnutzer

02.03.2017

Führungskrise und Verwirrspiel um den Schallschutz am BER

Versprechen im Koalitionsvertrag nur Makulatur / VDGN fordert striktes Nachtflugverbot

Knapp drei Monate sind erst vergangen nach Unterzeichnung des rot-rot-grünen Koalitionsvertrages in Berlin und schon sind die im Vergleich zu den Wahlversprechen ohnehin weichgespülten Passagen zum Schallschutz für die BER-Anwohner nur noch Makulatur. Die Sorgen der Menschen im Umfeld der Großbaustelle drohen angesichts der beispiellosen Führungskrise bei der Flughafengesellschaft in den Hintergrund zu treten. Dazu erklärt der Präsident des Verbandes Deutscher Grundstücksnutzer (VDGN), Peter Ohm: „Grundsätzlich wird im Koalitionsvertrag das Ziel formuliert, mehr Nachtruhe für die Menschen im Einzugsgebiet des Flughafens zu erreichen. Nach den jüngsten Verlautbarungen unter anderem aus der Fluglärmkommission bleibt davon nur noch eine leere Worthülse. Den Menschen wird lediglich Sand in die Augen gestreut.“

Dafür sprechen nach Auffassung des VDGN mehrere Punkte:

1. Plötzlich werden der Öffentlichkeit neue Flugrouten präsentiert, die notwendig seien, um Zusammenstöße von Flugzeugen zu verhindern. Damit werden weitere Menschen mit Fluglärm belastet, die damit bisher nicht rechnen mussten. Deshalb hatten sie kein Mitspracherecht bei der Routenplanung und konnten auch ihre persönliche Lebensplanung nicht darauf einrichten. Ihre Lärmbelastung wird nun so berechnet, daß sie keine individuellen Schallschutzmaßnahmen erwarten können.  Vorsorglich wird seit Oktober 2016 der Umfang des notwendigen Schallschutzes auf der Grundlage eines neuen fragwürdigen „Flugzeugmixes“ ohne lautere Maschinen durch die Flughafengesellschaft heruntergerechnet.

2. Merkwürdig ist die Begründung, dass die bisherigen Flugrouten zu den angeführten kreuzenden Verkehren führen würden. „Solche Flugrouten sind der Öffentlichkeit bisher nie vorgestellt worden. Starts und Landungen von der Nord- und der Südbahn wurden bisher immer konfliktfrei dargestellt, es gab nach Kenntnis der BER-Anwohner keine kreuzenden Verkehre, die jetzt als Begründung herhalten müssen“, so der Schallschutzexperte des VDGN, Prof. Ulrich Geske (siehe Übersichtskarten der Flugverfahren BER, Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung).

3. Mit einem Handstreich wurden jetzt auch die im Koalitionsvertrag verankerten Pläne zur Schaffung von Lärmpausen in der Nacht vom Tisch gewischt. Begründung: Das alte Schönefelder Terminal soll vorerst in Betrieb bleiben, und mit nur einer Piste würden die Rollwege für die  Flugzeuge zu lang, so die Flughafengesellschaft. Doch gerade die Lärmpausen waren ja als Trostpflaster für den Verzicht auf ein Nachtflugverbot gedacht. Wieder einmal wird die angebliche Wirtschaftlichkeit über den Gesundheitsschutz gestellt.

Dazu Peter Ohm: „Für uns stellt sich die Frage, ob all diese angeblich neuen Erkenntnisse zumindest der SPD durch ihre Mitglieder im Aufsichtsrat, zu denen auch Engelbert Lütke Daldrup gehört, nicht schon vor der Unterzeichnung des Koalitionsvertrages bekannt sein mussten - und wenn nicht, warum? Zum Schallschutz wäre dann jedoch keinerlei  konkrete Aussage im Vertragswerk möglich gewesen. Diesem Verwirrspiel und der Täuschung der Wähler muss endlich durch eine klare Positionierung beim Schallschutz Einhalt geboten werden. Dazu gehören in erster Linie ein Nachtflugverbot von 22 bis 6 Uhr und eine Inbetriebnahme des BER erst nach Abschluss aller Schallschutzmaßnahmen. Nur so kann den Anwohnern bei den ständigen Änderungen eine gewisse Garantie für Nachtruhe gegeben werden.“

Über den Sanierungsfall BER und die Defizite beim Schallschutz für die Anwohner wird auch in einem aktuellen Beitrag von BBB TV berichtet.

Dort findet sich auch das Zitat von FBB-Chef Karsten Mühlenfeld: "Bauen Sie mal so ein Gebäude mit so vielen Sprinklern. Wenn man sich das am Ende anschaut, kann es schon mal sein, daß man sich da vertut."